Unsere Themenseiten

Große DOSB-Reform statt Olympia - «Kein Nachtreten»

Zeit für eine Kontroverse über das folgenreiche Scheitern der Hamburger Olympia-Bewerbung für 2024 gäbe es bei der 11. Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes genug.

«Das Gute ist, die Präsentation von Hamburg ist von einer Stunde auf 20 Minuten geschrumpft, weil die Präsentation von Konzept und Logos nicht mehr nötig ist», erklärte DOSB-Präsident Alfons Hörmann vor dem DOSB-Konvent am Samstag in Hannover. «Wenn jemand in großer Runde das Gefühl hat, er möchte seine Meinung kundtun, herzlich gern auch kritisch, dann hat er das Recht dazu.»

Er sei «kein Freund von Abmoderieren», weiß aber, dass die Debatte über Schuld und Scheitern im Beisein von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und Bundesinnenminister Thomas de Maizière eher moderat wird. «Es deutet aber nichts darauf hin, dass es ein kritisches Nachtreten oder groß angelegte Schuldvorwürfen geben wird», sagte Hörmann, der aber auch einer Personaldebatte nicht ausweichen würde: «In der Schule habe ich gelernt, dass die Benotung idealerweise den anderen zu überlassen ist. Genau deshalb sind wir in Hannover beieinander.»

Die Spitzenverbände werden allerdings eine Resolution vorlegen, mit der das Olympia-Aus abgehakt, der Schulterschluss mit der DOSB-Führung demonstriert und ein Aufbruch demonstriert werden soll. «Wir wollen ein deutliches Signal geben, dass wir mit gleichem Elan weitermachen», sagte Siegfried Kaidel, Sprecher der Spitzenverbände.

Auch der sonst eher DOSB kritische Leichtathletik-Präsident plädiert für eine Vorwärtsstrategie. «Ich erwartet so etwas wie eine Auferstehung. Ein Jetzt-erst-recht auf allen Ebenen des Sports», sagte Clemens Prokop. «Den Kopf hängen lassen wäre das Falsche. Dynamik und Optimismus ist gefordert.»

Wieder Schwung nach dem Olympia-Schock soll eine große Inventur und Reform des Dachverbandes bringen. «Wir wollen ein Jahrzehnt nach der Gründung ein Fitnesscheck des DOSB machen. Nach dem Nein haben wir nun mehr Konzentration nach innen», erklärte Hörmann. Wichtigster Bestandteil bleibt dabei die Strukturreform des Leistungssports, die nach den Olympischen Spielen 2016 wirksam werden und den Abwärtstrend im internationalen Konkurrenzkampf aufhalten soll.

Ungewiss ist jedoch, wie nach der Hamburger Bewerbungspleite zukünftig die Förderung durch den Bund ausfallen wird. «Es geht zunächst nicht um Geld, sondern um Effizienz und um Doppelstrukturen, die man abbauen muss», erklärte DOSB-Vorstandschef Michael Vesper, räumte aber ein: «Wenn wir mehr Erfolge erzielen wollen und den Trend nicht nur stoppen, sondern umkehren wollen, dann benötigen wir natürlich auch entsprechende Finanzmittel.»

Hörmann glaubt nicht, dass die öffentliche Hand mit Geld geizen wird. «An einen Rückgang der Mittel denkt keiner. Sonst würde es zu einem ernsthaften Motivationsproblem werden», sagte er. Das Bundesinnenministerium sehe es nicht anders, sondern eher «im Sinne von jetzt erst recht». Eine Antwort über die zukünftige Förderung könnte Minister Thomas de Maizière in seiner Rede in Hannover geben.

Der DOSB ist auf jeden Fall festen Willens, nach dem Schock von der Waterkant, um seinen Stellenwert in der Gesellschaft und um wieder mehr Medaillen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften zu kämpfen. «Das Leben im Sport wird weitergehen. Ich sehe weder Schutt noch Asche», sagte Hörmann. Und auch sein hauptamtlicher Vormann Vesper demonstriert Zuversicht: «Ich denke nicht, dass sich der DOSB in den Schmollwinkel zurückzieht.»

Schließlich sei Olympia für den DOSB nicht tot. «Fakt ist, dass wir uns auf die Teilnahme einer starken Mannschaft bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro vorbereiten», erklärte Vesper. «Selbstverständlich bleiben die Spiele ein bedeutender Faktor für uns.»

Allerdings für die nächsten zehn Jahren nur als Teilnehmer oder Zuschauer - nicht als Ausrichter. «Wir haben formell dazu keinen Beschluss gefasst, aber es macht im Moment keinen Sinn, darüber nachzudenken», sagte Hörmann. «Wir werden den DOSB jetzt so aufstellen, dass man zeitnah nicht davon ausgehen kann, dass es wieder eine Olympia-Bewerbung geben wird.»