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Harte Kämpfe um Kurden-Stadt Kobane halten an

Trotz neuer Luftschläge der von den USA geführten Militärallianz setzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Angriffe auf die nordsyrische Stadt Kobane in unverminderter Härte fort.

Bei den Gefechten um die kurdische Enklave seien 16 IS-Extremisten und 11 kurdische Kämpfer getötet worden, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Die Dschihadisten hätten die Südseite eines strategisch wichtigen Hügels vor Kobane eingenommen. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) hielten die der Stadt zugewandte Nordseite. Die USA und ihre arabischen Verbündeten hätten die Kurden mit insgesamt sieben Luftangriffen bei Kobane unterstützt.

Nach der Enthauptung einer vierten westlichen Geisel durch den IS appellierten die Eltern eines amerikanischen Entwicklungshelfers an die IS-Entführer, ihren Sohn freizulassen. Die Terrormiliz hat angekündigt, den Amerikaner als nächstes zu ermorden.

Im Irak griffen IS-Dschihadisten am Sonntag erneut die größte Ölraffinerie des Landes bei Baidschi an. Die irakische Armee habe die Extremisten nach mehrstündigen Gefechten zurückgeschlagen, hieß es aus den Sicherheitskräften. Zwölf IS-Kämpfer seien getötet worden. Die Anlage rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad ist seit Monaten umkämpft. Im Juni hatten Extremisten die Raffinerie kurzzeitig erobert, waren dann jedoch von der irakischen Armee wieder vertrieben worden. Seitdem hat die IS-Miliz mehrmals Baidschi angegriffen. Dort steht auch ein Elektrizitätswerk, das die irakische Hauptstadt Bagdad mit Strom versorgt.

In Syrien versuchen IS-Dschihadisten seit Tagen verstärkt, die unmittelbar an der Grenze zur Türkei gelegene Stadt Kobane (arabisch: Ain al-Arab) einzunehmen. Angesichts der Flüchtlingskatastrophe an der syrisch-türkischen Grenze forderte die Grünen-Politikerin Claudia Roth ein stärkeres deutsches Engagement. «Die humanitäre Situation ist dramatisch», sagte die Bundestagsvizepräsidentin nach einem Besuch im Grenzgebiet. «Die Türkei braucht sofortige internationale humanitäre Unterstützung.» Auch Deutschland sei dabei gefordert.

Nachdem IS-Kämpfer vor knapp drei Wochen mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobane einnahmen, flüchteten nach Angaben der türkischen Regierung mehr als 160 000 vor allem kurdische Syrer in die Türkei. Kurdische Volksschutzeinheiten in der Stadt leisten dem Vormarsch des IS erbitterten Widerstand.

Immer wieder schlagen auch Geschosse aus der umkämpften syrischen Region auf türkischem Boden ein. Am Sonntag sei eine Mörsergranate in der Nähe des Grenzübergangs Mürsitpinar gelandet, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu. Ein Polizist sei durch Splitter leicht verletzt worden.

Die Eltern des Amerikaners, den die Terrormiliz in ihrer Gewalt hat, baten in einem am Samstag veröffentlichten Video um Gnade für ihren Sohn Peter Kassig. «Wir flehen seine Entführer an, sich zu erbarmen und ihre Macht zu nutzen, um unseren Sohn gehen zu lassen», sagten sie. Sie hätten die US-Regierung vergebens gebeten, ihr Vorgehen im Irak und in Syrien zu ändern. «Wie unser Sohn haben wir nicht mehr Kontrolle über die US-Regierung, als Sie über die Morgendämmerung haben», sagte Kassigs Vater an die Adresse der Extremisten.

«Washington Post» von April bis Juli 2007 als Soldat im Irak gedient und war nach seiner Zeit bei der US-Armee als Entwicklungshelfer nach Syrien gegangen. Für seine Rettung wollen die USA nach Angaben des Außenministeriums alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen - militärisch, diplomatisch, rechtlich und geheimdienstlich.