Kita
Bundesweit ist etwa jede achte Kindertagesstätte eine Sprach-Kita. Daniel Reinhardt/dpa
Bildung

Heftiger Protest gegen Ende von Sprach-Kita-Förderung

„Unverständlich und fahrlässig”: Nach elf Jahren Finanzierung des Programms „Sprach-Kitas” will der Bund die geschaffenen Strukturen und Ansätze nun in die Verantwortung der Länder übergeben. Länder und Gewerkschaften sparen nicht mit Kritik.
dpa
Berlin

Die Länder machen Front gegen die Absicht des Bundes, ein Programm zur Sprachförderung in Kitas Ende des Jahres auslaufen zu lassen.

In einer gemeinsamen Erklärung appellierten die Jugend- und Familienminister an die Bundesregierung, die Entscheidung vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der vielen Geflüchteten aus der Ukraine zu revidieren. Sie fordern, das Projekt fortzuführen und „perspektivisch als dauerhaftes Bundesprogramm zu verstetigen”.

„In der derzeitigen Situation muss die Sprachförderung von Kindern ein zentrales Anliegen auch der Bundespolitik sein”, heißt es in der Erklärung, die Berlin als aktuelles Vorsitzland der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) veröffentlichte. Frühkindliche sprachliche Bildung verbessere Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern. „Hier den Rotstift anzusetzen, ist auch für die vielen Beschäftigten in den Kitas eine Entwertung ihrer bisher geleisteten Arbeit.” Der Schritt verschärfe zudem die ohnehin angespannte Personalsituation in Kindertageseinrichtungen, er sei „unverständlich und fahrlässig”.

Kritik von Bildungsgewerkschaften

Bildungsgewerkschaften haben sich der Kritik aus den Bundesländern angeschlossen. „Auf Sonntagsreden heben diePolitikerinnen und Politiker die Bedeutung der frühkindlichenBildung hervor. Am nächsten Tag stellen sie keine Gelder mehrfür hochwertige Förderprogramme bereit. Die Fachkräfte schütteln darüber frustriert den Kopf”, sagte Doreen Siebernik, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Insbesondere in Zeiten, in denen Kitas durch dieIntegration von geflüchteten Kindern aus der Ukraine vorenormen zusätzlichen Herausforderungen stünden, sei der Schritt unverantwortlich, sagte Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). „Hier wird ein wichtiger und bewährterBaustein eines Fundamentes für mehr Bildungsgerechtigkeit undChancengleichheit von heute auf morgen zunichtegemacht.”

Die GEW warf der Bundesregierung einen Bruch des Koalitionsvertrages vor. In dem Papier hatten die Ampel-Parteien festgehalten: „Die Kindertagespflege wollen wir als Angebot der Kindertagesbetreuung weiterentwickeln und fördern und das Programm „Sprach-Kitas” weiterentwickeln und verstetigen.”

Eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums hatte am Montag erklärt, der Bund unterstütze die Länder seit Jahren „massiv” mit Förderprogrammen im Kitabereich. Diese seien jedoch immer befristet, da die Zuständigkeit für die Kindertagesbetreuung bei den Ländern liege. Nach elf Jahren Finanzierung des Programms „Sprach-Kitas” und dem Kompetenzaufbau in der Fläche gingen die geschaffenen Strukturen und Ansätze nun in die Verantwortung der Länder über. Nach Angaben des Ministeriums ist bundesweit etwa jede achte Kindertagesstätte eine Sprach-Kita. Davon profitierten mehr als 500.000 Kinder und ihre Familien.

© dpa-infocom, dpa:220714-99-19040/2

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