Unsere Themenseiten

Hochwasser in Tschechien: Zwei Tote und drei Vermisste

Hochwasser in Tschechien: Zwei Tote und drei Vermisste
Filip Singer

In Tschechien hat sich die Hochwasserlage dramatisch zugespitzt. Starker Dauerregen ließ am Sonntag Bäche und Flüsse über die Ufer treten. An mehr als 50 Orten galt die höchste Warnstufe 3. Bei Prag stürzte ein Wochenendhaus über dem matschigen Untergrund ein.

Eine Frau und ein Mann starben in den Trümmern, wie die nationale Agentur CTK meldete. An zwei Flüssen in Böhmen wurden drei Wassersportler vermisst. Die Polizei musste die Suche nach ihnen wegen der hohen Pegel abbrechen.

Rettungskräfte brachten in Prag mehr als 70 Patienten eines ufernahen Krankenhauses in Sicherheit. In der Stadt Hostinne am Oberlauf der Elbe waren Hubschrauber im Einsatz, um Einwohner aus ihren Häusern zu retten. Decin (Tetschen) bereitete sich auf einen Elbe-Pegelstand von bis zu 10,5 Meter vor, der am Montagvormittag erreicht werden könnte. Die Behörden haben in Decin, Usti (Aussig) und Hrensko erste Evakuierungen ufernaher Wohngegenden angeordnet.

In den am stärksten betroffenen südlichen und westlichen Landesteilen wurden Straßen und Bahnstrecken überschwemmt und mussten deshalb gesperrt werden. Die Regierung schickte rund 1000 Soldaten zum Hilfseinsatz. Am Abend sollte das Kabinett zu einer Krisensitzung zusammenkommen.

In Prag arbeitete die Feuerwehr auf Hochtouren, um Deiche zu sichern und Hochwasserbarrieren zu errichten. Unter anderem ist auch die bei Touristen beliebte Prager Altstadt von einer Überflutung bedroht. Die Stadtverwaltung nannte die Lage «sehr ernst». Fahrten in die Moldaumetropole sollten vermieden werden, warnte die Behörde.

Alle ufernahen Stationen der Prager U-Bahn wurden am Sonntag geschlossen. Mit Betriebsbeginn am Montag werde der U-Bahnbetrieb auf weiten Teilen des Streckennetzes ganz gestoppt, kündigten die Verkehrsbetriebe an. Der Prager Zoo am Moldauufer brachte Tiere in höhere Lagen in Sicherheit.

Die Scheitelwelle der Moldau erwarten die Behörden am Montag. Dann sollen 3000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde unter der Touristenattraktion Karlsbrücke vorbeirauschen. Beim Jahrhunderthochwasser vor elf Jahren waren es rund 5000 Kubikmeter.

Im August 2002 hatte Tschechien das schlimmste Hochwasser seiner Geschichte erlebt. Damals stand etwa ein Drittel des Landes unter Wasser, 17 Menschen kamen in den Fluten ums Leben.