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Hongkong: Studenten und Regierung gehen erstmals aufeinander

Bei den Auseinandersetzungen zwischen Protestgegnern und Demonstranten in Hongkong sind 165 Menschen verletzt worden.

Nach einer Massendemonstration gegen Gewalt und für mehr Demokratie in der chinesischen Sonderverwaltungsregion deutete sich erstmals eine Annäherung zwischen Regierung und Aktivisten an. Die Studentenvereinigung zeigte Entgegenkommen. Das Ultimatum zur Aufhebung der Blockaden bis Montag wollen die Studenten so weit erfüllen, dass die Regierungsstellen wieder ihre Arbeit aufnehmen kann. Die Regierung betonte: «Die Tür für Dialog ist immer offen.»

Die Auseinandersetzungen zwischen Protestgegnern und friedlichen Demonstranten dauerten aber an. Die Streitereien drohten immer wieder außer Kontrolle zu geraten. Die Krankenhausverwaltung nannte die Zahl von 165 Verletzten. Die Polizei war in Einsatzbereitschaft. Tausende setzten am Sonntag ihre Demonstrationen in der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole fort. Eine Lösung der größten Krise in Hongkong seit der Rückgabe der damaligen britischen Kronkolonie 1997 an China war damit weiter nicht in Sicht.

Die Proteste hatten sich an Beschlüssen des Pekinger Volkskongresses entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Die Reform geht den prodemokratischen Aktivisten nicht weit genug, weil China den sieben Millionen Hongkongern vor dem Souveränitätswechsel freie Wahlen in Aussicht gestellt hatte. Die kommunistische Führung in Peking zeigt sich aber kompromisslos.

In dem belebten Geschäftsviertel Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon kam es am Sonntag wieder zu Gerangel und neuen Verbalattacken von Protestgegnern auf friedliche prodemokratische Aktivisten. Die Lage war unübersichtlich. Es gibt zweifellos Unmut über Behinderungen und Beeinträchtigungen der Geschäfte durch die Demonstrationen. Aktivisten äußerten aber auch ihre Sorge, dass organisierte Gruppen bewusst Zwischenfälle provozieren könnten, um die Polizei zum Eingreifen und einer Räumung der Straßen zu zwingen.

«Es ist eindeutig schlimmer heute», sagte der prodemokratische Abgeordnete Albert Chan in Mong Kok. «Ich denke, dass 90 Prozent dieser Auseinandersetzungen von regierungsfreundlichen Kräften verursacht werden.» Wegen der Übergriffe auf Demonstranten hatten am Vorabend Zehntausende friedlich an einem «Aufmarsch gegen Gewalt» teilgenommen. Zuvor hatte es auch Attacken von angeheuerten Schlägern gegeben, die nach Angaben der Polizei sogar Verbindungen zu den mafiaähnlichen, Triaden genannten Unterweltgruppen haben.

In der Nacht kam es im Geschäftsviertel Mong Kok wieder zu vereinzelten Zwischenfällen. Die Polizei ging kurzzeitig mit Schlagstöcken und Pfefferspray vor und mobilisierte Verstärkung. Die Situation war über einige Stunden sehr angespannt, da eine Räumung erwartet wurde. Doch blieb eine Konfrontation aus. Als Voraussetzung für die Aufnahme des geplanten Dialogs mit der Regierung fordert die Studentenvereinigung eine Untersuchung der Vorfälle.