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Mindestens drei Tote bei Bombenanschlag in der Südosttürke

Kurz vor der türkischen Parlamentswahl sind bei einem Bombenanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP in Diyarbakir mindestens drei Menschen getötet worden.

Die Ko-Bürgermeisterin der südtürkischen Stadt, Gültan Kisanak, sprach sogar von vier Toten. Mindestens 220 weitere Menschen wurden nach Angaben von Ärzten zum Teil lebensgefährlich verletzt. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, 20 Menschen befänden sich in kritischem Zustand.

Agrarminister Mehdi Eker bestätigte nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu in Diyarbakir, dass es sich bei den Explosionen um einen Anschlag gehandelt habe. Bei der ersten Explosion am Freitag in der südosttürkischen Stadt habe es sich mit Sicherheit um den Sprengstoff TNT gehandelt. Bei der zweiten Explosion sei mit «hoher Wahrscheinlichkeit» TNT verwendet worden. Dem Sprengstoff seien Kugeln beigefügt worden. Eker kandidiert bei der Parlamentswahl am Sonntag in Diyarbakir für die islamisch-konservative Regierungspartei AKP.

Der Ko-Vorsitzende der HDP, Selahattin Demirtas, rief erneut zur Ruhe auf: «Wir werden nicht mit Wut handeln, wir werden mit dem Gewissen handeln und zur Wahlurne gehen», sagte er in Istanbul. An diesem Sonntag wählen die Türken ein neues Parlament. Sollte die HDP die Zehnprozenthürde überwinden, könnte die AKP ihre absolute Mehrheit verlieren. Gewalttätige Proteste von HDP-Anhängern könnten die Partei nach Einschätzung politischer Beobachter Stimmen kosten, Besonnenheit ihr aber zusätzliche Sympathien einbringen.

Mehmet Sahin (37), der schwer verletzt wurde, sagte: «Natürlich war das eine Bombe. Am ganzen Körper habe ich Verbrennungen und Wunden.» Krankenschwestern sagten der Deutschen Presse-Agentur, dass sie Splitterwunden behandeln mussten.

Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, zunächst habe es eine kleine Detonation in einem Mülleimer gegeben. Kurz darauf eine große Explosion. Ein 58-Jähriger namens Burhan Kabak sagte: «Ich habe zwei Explosionen innerhalb von rund fünf Minuten gehört. Ich habe viele verletzte Menschen auf dem Boden gesehen. Da war so viel Blut.»

Die Nachrichtenagentur Anadolu hatte zunächst gemeldet, ein Trafo sei explodiert. Energieminister Taner Yildiz schloss einen Defekt an einem Transformator nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA aber aus.