Deutschland

Jedes siebte heimische Bienenvolk stirbt im Winter

Parasiten haben Deutschlands Imkern einen hohen Millionenschaden zugefügt. Der Wert der in diesem Winter verlorenen Völker liege bei 20 bis 25 Millionen Euro, teilte das Fachzentrum Bienen und Imkerei auf Anfrage in Mayen (Rheinland-Pfalz) mit.
dpa
Bienenwabe
Ein Imker betrachtet eine Bienenwabe in Brandenburg. Die Varroa-Milben machen den Insekten zu schaffen. Foto: Patrick Pleul
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Die Betriebe verloren im Schnitt fast 15 Prozent ihrer Bienenvölker - grob gesagt jedes siebte Volk ist gestorben. Damit lag man etwa im langjährigen Mittel. «Es war keine gute Überwinterung, aber auch keine schlechte», sagt der Leiter des Fachzentrums, Christoph Otten. An der Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Imkerbund nahmen bundesweit knapp 12 000 Imker teil.

Vor einem Jahr lag der Ausfall noch bei 17,9 Prozent und damit drei Punkte höher. Die Verlustquote schwankt zwischen 10 und 25 Prozent. Grund für die bessere Lage gemessen am Vorjahr: Der Winter 2017/18 dauerte lang, die Blühsaison und damit die Bienenzeit starteten spät.

Dadurch hatten die Varroa-Milben weniger Zeit, sich in den Stöcken bis zum darauffolgenden Winter zu vermehren. Geht ein Bienenstock mit einem zu hohen Milbenanteil in den Winter, ist er dem Tod geweiht; ist der Anteil gering, kommt das Volk gut klar. Die Milben gelten als Hauptgrund für das Sterben von Bienenvölkern. Ein weiterer Grund, der deutlich weniger stark ins Gewicht fällt, sind Verdauungsprobleme der Insekten, wenn diese spät im Jahr noch Waldhonig einsammeln. Gegen die Varroa-Milben gibt wirksame Maßnahmen, etwa organische Säuren. Jeder zweite Imker hatte gar keinen Ausfall zu vermelden.

Beim Blick nach vorn bekommt Otten leichte Sorgenfalten. Der diesjährige Winter war früh vorbei, die Bienen wurden eher aktiv - und boten so den Varroa-Milben bessere Vermehrungschancen. Daher schätzt Otten, dass die Ausfälle im kommenden Winter höher werden.

Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 100.000 Imker und eine Million Honigbienen-Völker. Die allermeisten Imker sind Hobby- oder Teilzeitimker, weniger als ein Prozent sind Vollzeit-Berufsimker.
Regional gab es je nach Klima und Wetter verschiedene Entwicklungen - in Rheinland-Pfalz lag die Verlustquote je Betrieb bei 16,1 Prozent und in Bayern bei 15,9 Prozent, also höher als im deutschen Schnitt.

Der Negativ-Spitzenreiter war Thüringen mit 17,6 Prozent verlorener Völker, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sah es ähnlich schlecht aus. Allerdings ist die Datengrundlage in Ostdeutschland schwach, da sich dort jeweils nur einige Hundert Imker an der Umfrage beteiligt hatten - daher sind diese Werte weniger aussagekräftig als in Bayern mit fast 3000 Umfrage-Teilnehmern und Rheinland-Pfalz mit rund 1100. Bienenfachmann Otten führte die regional unterschiedliche Entwicklung auf andere Witterungen zurück.

Relativ gut sah es in Nordrhein-Westfalen aus, wo sich knapp 2000 Imker an der Umfrage beteiligten und ein Ausfallanteil von nur 13,8 Prozent ermittelt wurde. Der Vorsitzende des Imkerverbandes Rheinland, Dirk Franciszak, begründete dies mit den zahlreichen Jung-Imkern, die hochmotiviert die teils aufwendigen Schutzmaßnahmen durchführten und dadurch dem Milbenbefall einen Riegel vorschieben.

Alteingesessene Imker vertrauten hingegen oft auf ihre Routine und ihrem Gefühl - sie investierten dann weniger Zeit. Der Landesverband Rheinland hat binnen sechs Jahren nach eigenen Angaben die Zahl seiner Honigbienenvölker von 37.000 auf 68.000 fast verdoppelt - dies liegt an einem starken Zuwachs an Jung-Imkern.

Durch die starke Zunahme an Jungimkern sind Bienenvölker für sie zu einem knappen Gut geworden - zum Start braucht man eins, zwei Völker, aus denen sich später mehr Völker entwickeln. Üblicherweise kauft man im Februar oder März - das Angebot sei zwar knapp, aber mit etwas Suchen und Klinkenputzen bekomme man weiter ein Volk für 100 bis 120 Euro, sagt Branchenkenner Franciszak.

Der Preis für ein 500-Gramm-Glas deutschen Honig lag 2018 zwischen 4,70 Euro und 6,45 Euro - hier geht es um Blütenhonig von verschiedenen Pflanzen und nicht um Sortenhonig, der teurer ist. Seit langem zieht der Preis tendenziell etwas an. Branchenkenner Otten rechnet 2019 «mit einem verhaltenem Preisanstieg».