STURM ZIEHT NACH NORDEN

Jetzt 30 Hurrikan-Tote auf den Bahamas – mehr befürchtet

Die zerstörerische Wucht des Hurrikans „Dorian” hat nach neuen Erkenntnissen mindestens 30 Menschen das Leben gekostet – vermutlich aber noch viel mehr.
dpa
Hurrikan „Dorian”
Helfen bringen in Freeport Hilfsgüter für die Bahamas an Land. Foto: Pedro Portal/Miami Herald

Premierminister Hubert Minnis bestätigte die vorläufige Opferbilanz im US-Fernsehen. Die endgültige Zahl wird nach Einschätzung des Gesundheitsministers Duane Sands deutlich höher ausfallen. „Ich glaube, die Zahl wird überwältigend sein”, sagte er dem Sender Guardian Radio 96.9.

Die Rettungseinsätze gingen am Donnerstag auf den beiden am schwersten getroffenen Inseln im Norden des Karibikstaates weiter. Zahlreiche Menschen wurden noch immer vermisst. Bahamaer nutzten soziale Medien, um Vermisste zu suchen und die Verteilung von Hilfsgütern zu koordinieren. Manche Inselbewohner klagten über hinderliche Bürokratie. Die Regierung verlangt, dass Spenden nur über von ihr autorisierte Organisationen laufen.

„Dorian” hatte die Bahamas am Sonntag als Hurrikan der höchsten Gefahrenstufe getroffen – mit Windgeschwindigkeiten von fast 300 Kilometern pro Stunde. Er wütete dort fast drei Tage lang. Es handelte sich um den verheerendsten Wirbelsturm auf den Bahamas und einen der stärksten im Atlantik seit Beginn moderner Aufzeichnungen. Es kam zu meterhohen Sturmfluten und großflächigen Überschwemmungen. Nach Schätzung des Roten Kreuzes wurden etwa 13.000 Wohnhäuser schwer beschädigt oder zerstört.

Am Donnerstagabend (Ortszeit) befand sich „Dorian” vor der Küste des US-Bundesstaats South Carolina. Auch dort kam es in Küstennähe zu Überschwemmungen. Zahlreiche Häuser wurden abgedeckt, Bäume und Strommasten stürzten um. Obwohl der Sturm zu einem Hurrikan der Kategorie zwei von fünf herabgestuft wurde, brachte er noch immer Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 Kilometer pro Stunde mit sich. Er war Richtung Norden unterwegs und sollte am Freitag vor der Küste North Carolinas vorbeiziehen. Das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami warnte allerdings, dass der der Sturm bei einer leichten Veränderung seines Kurses in den Carolinas auch noch auf Land treffen könnte.

Die Regierung könne eine Versorgungskrise dieses Ausmaßes nicht allein bewältigen, betonte der bahamaische Gesundheitsminister Sands. Er habe die Weltgesundheitsorganisation WHO um Hilfe gebeten.

Das Welternährungsprogramm (WFP) bereitete eine Lieferung von mehr als sieben Tonnen fertiger Gerichte für die vielen Obdachlosen auf den Bahamas vor, wie ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres mitteilte. Lebensmittel lieferten auch die Marine Großbritanniens – das Staatsoberhaupt der Bahamas ist die britische Queen Elizabeth II. – und ein Kreuzfahrtunternehmen.

Die über mehrere Tage auf den Bahamas mithelfende US-Küstenwache rettete nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 200 Menschen. Nach Worten des UN-Nothilfekoordinators Marc Lowcock vom Mittwoch benötigten rund 70 000 Menschen – also fast jeder fünfte Einwohner der Bahamas – dringend Hilfe zum Überleben. Die Flughäfen seien überschwemmt oder beschädigt, auch Verbindungsstraßen könnten nicht genutzt werden. Es gebe keine Stromversorgung und nur stark eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten.

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