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Jubel zum Tourstart: Mario Adorfs Rückkehr auf die Bühne

Vor zehn Jahren hat Mario Adorf (84) am Berliner Renaissance Theater seinen Abschied von der Bühne genommen. Bewusst wählte er nun dieses Theater, um zum Start der Tournee seines Solo-Abends «Schauen Sie mal böse!» ins Rampenlicht zurückzukehren.

Und das Publikum trug ihn auf Händen. Die Zuschauer genossen die Show am Montagabend spürbar, in der der Schauspielstar («Die verlorene Ehre der Katharina Blum», «Die Blechtrommel», «Der große Bellheim») mit Erinnerungen, Schnurren und Anekdoten unterhält.

Die Gegenwart spielt in diesem Solo-Abend kaum eine Rolle. So geht Adorf auch nicht darauf ein, warum er vor einigen Tagen neben anderen Prominenten wie Antje Vollmer, Lothar de Maizière, Roman Herzog und Wim Wenders den Offenen Brief «Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!» mit der Aufforderung zur Deeskalation in den politischen Beziehungen zu Russland unterzeichnet hat. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur unmittelbar nach der Premiere sagt er dazu knapp: «Der Kurs der Konfrontation muss beendet werden. Vernunft ist angesagt. Wir brauchen keine Spannungen, wir brauchen Entspannung. Ich bin beunruhigt. Deshalb habe ich unterschrieben.»

Im Laufe des Abends kommen derart ernste Gedanken nicht auf. Adorf, der sein Bühnendebüt als erwachsener Schauspieler vor 60 Jahren in München gab, schwelgt in Erinnerungen. Er erzählt zum Beispiel launig von seinem «ersten Debüt» als Vierjähriger in der Rolle eines stummen Zwergs im Märchen «Schneewittchen». Erinnert er sich an legendäre Kollegen wie Hans Albers, Heinz Rühmann oder Fritz Kortner, dann unterbricht er die Lesung mit kurzen Szenen. Wenn er den berühmten Monolog des Shylock aus Shakespeares «Der Kaufmann von Venedig» vorträgt, ist das ein Moment großer Schauspielkunst.

Den Grund für die Rückkehr zur Bühne nach zehn Jahren Abstinenz skizzierte Adorf so: «Ich lese ja überwiegend aus dem Manuskript eines Erinnerungsbuches, an dem ich arbeite. Das ist wie Proben. Ich merke, was gut ist, und ich erfahre durch die Publikumsreaktion, wo ich noch feilen muss.» Schmunzelnd fügt er hinzu: «Schauspieler können nicht loslassen. Da bin ich wie alle. Es ist doch auch furchtbar, wenn man mit 65 einfach aufhören soll. Und es ist schön zu spüren, "Ich kann’s noch!"»

Gelegentlich hat der Abend auch leise, nachdenkliche Momente, so wenn Adorf über Tod und Sterben, etwa in Erinnerung an seine Mutter, nachdenkt. Dazu sagte er der dpa: «Gespielt habe ich das Sterben oft. Und ich hoffe, immer mit Würde. Natürlich hoffe ich jetzt, ich schaffe es selbst würdevoll, wenn's wirklich soweit ist.» Und er fügt an: «Aber ich gehe davon aus, dass es noch lange dauert bis dahin.»

Tatsächlich strotzt der 84-Jährige auf der Bühne und auch nach der Show in der Garderobe nur so vor Vitalität. Nicht ohne Stolz verrät er denn auch, dass er erst vor kurzem für eine Filmrolle angefragt wurde. Er sollte einen 92-Jährigen spielen. Es kam nicht dazu. Denn, so erzählt Adorf mit blitzendem Schalk in den Augen: «Als der Regisseur mich getroffen und sich mit mir unterhalten hat, sagte er schließlich: "Tut mir leid Herr Adorf, aber einen 92-Jährigen kauft ihnen keiner ab. Sie sind zu jung für die Rolle!" – Schöner geht's nicht.»

«Schöner geht's nicht» lautete offenkundig auch das Urteil des Berliner Premieren-Publikums. Der Tournee-Auftakt war in Rekordzeit ausverkauft. Die zum Teil von weither angereisten Zuschauer dankten dem Schauspieler am Ende mit frenetischem Beifall und Bravo-Rufen. Weitere Tourneestationen in den nächsten Monaten sind unter anderem Erfurt, Frankfurt/ Main und Hamburg.