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Katastrophe in Bayern: «Als ob ein Staudamm gebrochen wäre»

Katastrophe in Bayern: «Als ob ein Staudamm gebrochen wäre»
Katastrophe in Bayern: «Als ob ein Staudamm gebrochen wäre»
Daniel Scharinger

Eine Schneise der Verwüstung zieht sich durch Simbach am Inn. «Von da oben ist das Wasser gekommen», sagt ein Mann fassungslos und zeigt die Straße hinauf. «Das war, als wenn ein Staudamm gebrochen wäre.»

Nach heftigem Dauerregen treten im Südosten Bayerns Flüsse und Bäche über die Ufer. In Simbach rauscht eine braune Flutwelle durch den Ort Richtung Tal. Autos, Bäume, Möbel und Kleinkram - alles wird mitgerissen. Im tiefer gelegenen Teil des Ortes sammelt sich die schmutzige Brühe. Während weiter oben schon die Aufräumarbeiten beginnen, ist weiter unten am Abend immer noch alles von den Wassermassen eingeschlossen.

So wie in Simbach sieht es auch in anderen Gemeinden im Landkreis Rottal-Inn aus. In Triftern stehen Häuser bis in den ersten Stock unter Wasser. Hubschrauber befreien Menschen, die inmitten der Wassermassen gefangen sind. Sie schweben an Sicherungsseilen mit den Helikoptern aufs Trockene. Andere warten noch in den oberen Stockwerken ihrer Häuser auf Hilfe, manche sind aufs Dach geklettert. Und es hört nicht auf zu regnen.

Verzweifelt betrachten die Bewohner die Schäden, die die Flut angerichtet hat. Geschäfte sind zerstört, Fensterscheiben unter dem Druck des Wassers zerborsten. Wo das Wasser bereits abgeflossen ist, überzieht Schlamm die Straße. In einer Turnhalle in Simbach schwimmen Turnmatten im Schlick, die Tiefgarage der Sparkasse ist bis zum Rand mit Wasser vollgelaufen.

«Es herrscht Land unter. Die Wassermassen kamen sehr schnell», sagt Emil Bumberger von der Polizei in der Kreisstadt Pfarrkirchen. Das bekommt auch Johann Geier zu spüren. Er hat sich erst vor kurzem in Triftern ein Haus gebaut, nahe dem Altbach, und ist erst im Dezember eingezogen. «Ich habe extra bei den Behörden gefragt, da hat man mir gesagt, das sei kein Hochwassergebiet. Die Lage sei nicht gefährdet», sagt er wütend. Nun ist alles zerstört.

Auch der 74-jährige Rainer Brandner ist immer noch schockiert. Er wohnt seit 50 Jahren in Triftern, ganz nah am Bach. «So ein Ausmaß gab es noch nie, damit haben wir nicht gerechnet», sagt er. «Wir müssen aber damit leben.» Das Wasser hat sich durch die dreifachverglasten Fenster gedrückt und ist quer durchs Erdgeschoss gerauscht. Jetzt steht Brandner da mit einem Besen und blickt auf sein Zuhause, bis ihn die Feuerwehr in Sicherheit bringt.

Mitten in dem Chaos sind auch viele Kinder. In Simbach müssen sich 350 Schüler auf eine Übernachtung in ihrer Schule einrichten - die Zufahrtswege sind nicht passierbar. Auch in Triftern sitzen am frühen Abend noch rund 50 Kinder fest. «Der Strom in der Schule ist ausgefallen. Wir wollen ein Notstromaggregat hochbringen und bereiten die Schüler auf die Nacht vor», sagt Trifterns Bürgermeister Walter Czech (CSU). Auch die Polizei in Simbach muss ihre Diensträume verlassen.

Die Helfer stehen vor einer Mammutaufgabe: «Die Rettungskräfte sind pausenlos im Einsatz, um Menschen aus Autos und Häusern zu retten», sagt Rainer Kubitschek vom Landratsamt Rottal-Inn. Er rechnet mit Schäden mindestens im zweistelligen Millionenbereich. Wenigstens eine gute Nachricht hat er auch: «Wir haben aber bisher kein Todesopfer zu beklagen», betont er am Mittwochnachmittag.