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Keine Anklage gegen Todesschützen von Ferguson

Keine Anklage gegen Todesschützen von Ferguson
Keine Anklage gegen Todesschützen von Ferguson
Larry W. Smith

Brennende Häuser, geplünderte Geschäfte: Die US-Kleinstadt Ferguson wird erneut von schweren Krawallen erschüttert. Auslöser ist die Entscheidung der Geschworenen, dass ein weißer Polizist nicht wegen der Todesschüsse auf den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown vor Gericht muss.

Die Entscheidung löste große Empörung aus. Auch in anderen Landesteilen schlugen Proteste in Gewalt um. US-Präsident Barack Obama verteidigte das Urteil und rief zur Besonnenheit auf.

Der Polizist Darren Wilson hatte Brown am 9. August nach einer Auseinandersetzung erschossen. Der Tod des 18-Jährigen hatte in der 20 000-Einwohner-Stadt schwere Unruhen ausgelöst. Über Wochen hinweg hatte eine Grand Jury (Geschworenenjury) geprüft, ob Wilson angeklagt wird. Am Montag gab Staatsanwalt Robert McCulloch in Clayton die mit Spannung erwartete Entscheidung bekannt: Danach sieht die Jury keine hinreichenden Beweise für eine Straftat.

Die drei schwarzen und neun weißen Geschworenen hätten sich in 25 Sitzungen mit dem Fall beschäftigt und 60 Zeugen vernommen. «Es ist keine Frage, dass Darren Wilson den Tod von Michael Brown verursacht hat, indem er ihn erschoss», erläuterte McCulloch. «Aber die Pflicht der Grand Jury ist, die Fakten von Erfundenem zu trennen. Es existiert kein hinreichender Verdacht für irgendwelche Anklagepunkte.»

Die Familie des Jugendlichen reagierte betroffen. «Wir sind zutiefst enttäuscht, dass sich der Killer unseres Kindes nicht den Konsequenzen seiner Taten stellen wird», ließen seine Eltern über ihren Anwalt mitteilen.

In Ferguson schlug die Wut über die Entscheidung bald darauf in Gewalt um, die Unruhen griffen auch auf andere Städte über. Proteste seien auch aus New York, Chicago und der Bundeshauptstadt Washington sowie aus Oakland in Kalifornien und Philadelphia gemeldet worden, berichtete der Sender NBC.

US-Präsident Obama wandte sich umgehend an die Öffentlichkeit, um das Urteil einer Geschworenenkammer zu verteidigen. «Wir sind eine Nation, die auf dem Rechtsstaatsprinzip gründet», sagte er in Washington. «Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren, die von der Jury zu treffen war.»

Die Situation sei aber auch exemplarisch für gesellschaftliche Herausforderungen in den USA. Es bestehe immer noch tiefes Misstrauen zwischen farbigen Menschen und der Polizei. «Es gibt immer noch Probleme, und die schwarzen Gemeinden erfinden die nicht einfach nur.»

In Ferguson warfen Demonstranten mit Flaschen und Ziegelsteinen auf Polizeifahrzeuge und schaukelten Streifenwagen, bis sie umkippten. Auch mehrere Autos brannten. Schwere Rauchwolken standen über der Stadt, Flammen schossen in den nächtlichen Himmel. Mindestens vier Menschen wurden festgenommen. Demonstranten zerschlugen zudem Schaufensterscheiben.

Nach einem Bericht der Zeitung «St. Louis Post-Dispatch» wurde ein Polizist angeschossen. Die Polizei setzte Tränengas ein. MSNBC sprach von Rauchbomben. Die Polizei war in Kampfanzügen im Einsatz.

Feuerwehrmänner, die zum Löschen ausgerückt seien, mussten der Zeitung zufolge von einem brennenden Gebäude wieder abrücken, nachdem Schüsse fielen. Das Luftfahrtamt FAA schloss wegen Schüssen in Flughafennähe den Luftraum über der Stadt. Hunderte Demonstranten besetzten eine Schnellstraße, die dann von Polizisten abgeriegelt wurde. Die Eltern von Michael Brown riefen zur Besonnenheit auf: «Auf Gewalt mit Gewalt zu antworten, ist keine angemessene Reaktion.»

Trotz der Entscheidung der Jury könnte der Fall für Wilson ein juristisches Nachspiel haben, denn die Bundesbehörden ermitteln weiter gegen den Beamten. Dabei geht es um die Frage, ob Wilson aus rassistischen Motiven geschossen und damit die Bürgerrechte des Teenagers verletzt haben könnte. Auch könnte die Familie des Jugendlichen den Polizisten zivilrechtlich verklagen.