Prinz Andrew wird 62
Der britische Prinz Andrew, Herzog von York, wird 62. Er sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Steve Parsons/Pool PA/dpa
Britisches Königshaus

Keine Party für den Partyprinzen: Andrew wird 62

Seinen 62. Geburtstag dürfte sich Prinz Andrew anders vorgestellt haben. Zwar konnte er einen Prozess um Missbrauchsvorwürfe gegen sich mit viel Geld abwenden, doch in Feierlaune dürfte er kaum sein.
dpa
London

«Randy Andy», «Partyprinz» und «Airmiles-Andy»: Der zweitälteste Sohn der britischen Königin Elizabeth II. hat seit langem einen zweifelhaften Ruf. Doch kurz vor seinem 62. Geburtstag am 19. Februar ist das Ansehen Prinz Andrews auf einen vorläufigen Tiefpunkt gerutscht.

Ausgerechnet im Jahr des 70. Thronjubiläums seiner Mutter bereitet der einst als Lieblingssohn der Queen bezeichnete Prinz ihr große Sorgen. Zwar konnte er in den USA einen Zivilprozess wegen Missbrauchsvorwürfen mit einem wohl millionenschweren Vergleich stoppen, doch der Schaden ist immens.

Prozess in New York abgewendet

Kaum war die Nachricht über den Vergleich in der Welt, begannen auch schon die Spekulationen, wie Andrew die geschätzte Summe von bis zu zwölf Millionen Pfund (umgerechnet mehr als 14,3 Millionen Euro) aufbringen will. Vermutet wird, dass ihm die Queen dabei unter die Arme greifen wird. Doch die Unterscheidung zwischen privatem und öffentlichem Eigentum ist nicht immer einfach beim britischen Staatsoberhaupt. Daher wird bereits geargwöhnt, Andrew könne am Ende von öffentlichen Geldern profitieren - das wäre der nächste Skandal.

Die Klägerin Virginia Giuffre wirft Andrew vor, sie als Minderjährige mehrfach missbraucht zu haben. Sie hatte in New York Zivilklage eingereicht. Sie wurde nach eigenen Angaben zum Opfer eines von dem US-Multimillionär Jeffrey Epstein und dessen Ex-Freundin Ghislaine Maxwell aufgebauten Missbrauchsrings und so an Andrew vermittelt.

Der Prinz streitet ab, Giuffre je getroffen zu haben und versuchte die Klage im Keim zu ersticken. Als das misslang, kündigte er an, sich einem Geschworenenprozess stellen zu wollen. Bereits für den 10. März war ein Verhör mit dem Anwalt der Klägerseite vorgesehen. Doch Andrew musste sich wohl dem Druck der Königsfamilie beugen, die keine weiteren Schlagzeilen mit pikanten Details sehen will. Andrew bleibt bei seinem Dementi. Doch für viele britische Medien kommt die Zahlung einem Schuldeingeständnis gleich. «Royaler Schurke zahlt an Missbrauchsopfer, das er nie getroffen hat. Wie man das eben macht», titelte der «Daily Star» mit sarkastischem Unterton.

Keine Beflaggung

Dass dem Prinzen an seinem Geburtstag diesen Samstag zum Feiern zumute sein wird, darf stark bezweifelt werden. Die Öffentlichkeit wird wohl von seinem Ehrentag ohnehin nichts mitbekommen: Anders als noch im vergangenen Jahr, ordnete die Regierung in London für 2022 keine Beflaggung an Regierungsgebäuden für seinen Geburtstag an. Seine militärischen Rangabzeichen ist Andrew bereits los. Auf die Anrede «Königliche Hoheit» muss er ebenfalls verzichten. Die Rückkehr in den engeren Kreis der Royals gilt als so gut wie unmöglich. Es gibt auch bereits Forderungen, er solle seinen Titel als Herzog von York aufgeben.

Doch es gab auch bessere Zeiten: Noch Anfang der 80er Jahre galt Andrew als «most eligible bachelor» (begehrenswertester Junggeselle) des Landes. Der damals Zweite in der britischen Thronfolge nach seinem älteren Bruder Charles hatte nach einer Ausbildung als Marineoffizier den Pilotenschein gemacht und war im Falkland-Krieg im Einsatz gewesen.

Im Jahr 1986 heiratete er Sarah «Fergie» Ferguson. Das Paar bekam zwei Töchter, Prinzessin Beatrice (33) und Prinzessin Eugenie (31). Doch das Glück war nicht von langer Dauer, bereits 1992 trennten sie sich, vier Jahre später kam die Scheidung. Für Schlagzeilen sorgte vor allem ein Foto, auf dem Fergie dabei zu sehen war, wie sie sich in Saint-Tropez von ihrem Finanzberater die Zehen abküssen ließ. Später waren es weniger Liebesaffären als ihre ständige Geldknappheit, die die rothaarige Fergie auf die Titelseiten der Klatschblätter brachte.

Feiern mit den Schönen und Reichen

Andrew hingegen reiste um die Welt, zeigte sich auf zahlreichen Partys der Schönen und Reichen und wurde als «Party-Prinz» bekannt. «Ich weiß nicht, warum ich mir diesen Titel eingehandelt habe, weil ich eigentlich nie wirklich gefeiert habe», behauptete Andrew später. Doch zahlreiche Fotos, auf denen zu sehen ist, wie er sich bei ausgelassenen Partys mit jungen Frauen umgibt, zeichnen ein anderes Bild.

Zweifel an seiner Urteilsfähigkeit kamen auch dadurch auf, dass er nicht nur Epstein und Maxwell als Gäste in den königlichen Schlössern empfing, sondern auch Saif al-Islam, den Sohn des damaligen libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi und andere Familienmitglieder arabischer Alleinherrscher. Ebenfalls für Stirnrunzeln sorgte der Verkauf seines Anwesens Sunninghill Park nahe Windsor an den Schwiegersohn des damaligen kasachischen Präsidenten zu einem massiv überhöhten Preis. Im Jahr 2011 musste er seine Tätigkeit als Botschafter der britischen Wirtschaft im Ausland aufgeben. Wegen seiner regen Reisetätigkeit auf Regierungskosten war er zuvor als «Airmiles-Andy» verspottet worden.

Zu dem Spitznamen «Randy Andy» (geiler Andy) will er schon viel früher und ganz unversehens gekommen sein. Er habe sich an seinem ersten Tag im Eliteinternat Gordonstoun in den Trakt der Mädchen verirrt, erzählte er einst einer schüchternen Fernsehjournalistin mit spitzbübischem Lächeln. Doch die Tage, als Andrew auf die Wirkung seines Charmes hoffen konnte, sind längst vorbei.


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