Unsere Themenseiten

Knäbel coacht den Krisen-HSV und geht hohes Risiko

Knäbel coacht den Krisen-HSV und geht hohes Risiko
Knäbel coacht den Krisen-HSV und geht hohes Risiko
Christian Charisius

Peter Knäbel hat notgedrungen auf dem Trainer-Schleudersitz des Hamburger SV Platz genommen.

Da auf die Schnelle kein namhafter Coach bereit war, sich für die letzten acht Saisonspiele der Fußball-Bundesliga beim Krisen-HSV als Feuerwehrmann zur Verfügung zu stellen, sprang kurzerhand der Sportdirektor in die Bresche. Der ist seit 16 Jahren im Besitz der Fußballlehrer-Lizenz, hat als einstiger Spielertrainer des Schweizer FC Winterthur (1998-2000) allerdings wenig Erfahrung auf der Bank.

Dennoch ist Ex-Profi Knäbel für Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer «die beste Option», um nach der Trennung von Zinnbauer den Cheftrainer-Posten neu zu besetzen. «Peter kennt die Mannschaft und die Umstände am besten und ist in der Lage, sofort zu handeln», sagte Beiersdorfer.

Allerdings gehen die Verantwortlichen des nach sechs sieglosen Punktspielen in Serie auf den Relegationsplatz abgestürzten HSV hohes Risiko. Denn kann Knäbel als Aushilfstrainer den erstmaligen Abstieg des letzten Liga-Dinos in die 2. Liga nicht verhindern, wäre sein Ruf ramponiert. Schließlich will er auf den Posten des Sportchefs zurückkehren. Auch der Nimbus des als Heilsbringer zum HSV zurückgekehrten Vorstandsvorsitzenden Beiersdorfer würde erhebliche Kratzer erhalten.

Trainer-Wechsel haben bei den Hanseaten inzwischen Tradition. Knäbel ist seit 1997 bereits Coach Nummer 19. In dieser Spielzeit ist der 48-Jährige bereits der dritte HSV-Übungsleiter. Vor Zinnbauer war bis zum bis 16. September 2014 Mirko Slomka verantwortlich. Mit der Sportchef-Coach-Lösung hat der Verein in jüngerer Vergangenheit zweimal in Krisenzeiten Erfahrung gesammelt: Im Herbst 2001 übernahm Holger Hieronymus das Ruder für zwei Spiele (1 Unentschieden, 1 Niederlage), im Oktober 2011 Frank Arnesen für ein Spiel - der HSV siegte 1:0 in Freiburg.

Der 48 Jahre alte und in Witten geborene Westfale Knäbel ist erst seit dem 1. Oktober 2014 als Direktor Profifußball für den HSV tätig. Zuvor hatte der Ex-Profi, der unter anderem für den VfL Bochum, den 1. FC Nürnberg und auch für den Hamburger Stadtrivalen FC St. Pauli gespielt hat, fünf Jahre als Technischer Direktor für die Schweizer Nationalmannschaft gearbeitet. Im Land der Eidgenossen führte der mit einer Schweizerin verheiratete Knäbel Ende der 1990er Jahre als Spielertrainer den FC Winterthur in die 2. Liga. Gerade das soll er in Hamburg jetzt verhindern.