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Konzert als Reisetagebuch: Counting Crows in Berlin

Konzert als Reisetagebuch: Counting Crows in Berlin
Konzert als Reisetagebuch: Counting Crows in Berlin

Ein Konzert der Counting Crows ist wie eine Reise durch das gute alte Amerika. Immer wieder streift Frontmann Adam Duritz in seinen bildreichen Texten typische US-Sehnsuchtsorte - und nimmt den Hörer quasi als Beifahrer mit.

New York City, Alabama, New Orleans, Louisiana, Reno/Nevada, Colorado, Rio Grande, Mississippi, Grand Canyon - und immer wieder «California», der Ursprung dieser San-Francisco-Band: An Städten, Landschaften und Menschen ihrer Heimat haben sich die Counting Crows seit dem erfolgreichen Debüt von 1993 kräftig abgearbeitet. Fast jeder Song des Auftritts in der ausverkauften Berliner Konzerthalle Huxley's erwähnte einen dieser teils mythischen Orte.

Die siebenköpfige Band um Sänger und Songwriter Duritz, Gitarrist David Immerglück und Keyboarder Charles Gillingham (alle Gründungsmitglieder) setzte ihre atmosphärischen Songs in perfektem Sounddesign mit einer Spielfreude um, die keine Ermüdung nach 20 Karrierejahren erkennen ließ. Dazu trugen Show-Klassiker wie der gut zehnminütige Opener «Round Here» (vom Debüt «August & Everything After») oder die warmherzigen Lieder des wunderschönen dritten Albums «This Desert Life» bei.

Aber auch die Songs des im Spätsommer erschienenen, als starkes Comeback gefeierten Werks «Somewhere Under Wonderland» funktionierten live bereits bestens. Highlights dieses Konzertblocks: Die prächtige Akustikballade «God Of Ocean Tides», das ruppige «Scarecrow», und vor allem das für Crows-Verhältnisse ungewöhnlich komplexe «Palisades Park», dem man die Vorliebe der Band für den jungen Erzromantiker Bruce Springsteen aus der «Born To Run»-Phase Mitte der 70er Jahre gut anhört.

Springsteen, Bob Dylan, The Eagles, Tom Petty, die mittleren R.E.M. als Leitgestirne; Folk und Westcoast-Rock, Southern-Soul und Country als bevorzugte Stilrichtungen: Man muss Songwriting und Sound der Counting Crows gar nicht erst mühsam auseinanderschrauben, um zu erkennen, dass dies keine sonderlich innovative Band ist. Aber sie hat eben auch einen tollen Sänger und Live-Performer wie Adam Duritz, der mit seinem Dreadlock-Knuddelbären-Charme, seinen ausdrucksstarken Gesten, seiner markanten Stimme die Fans über alle Untiefen hinwegträgt.

Zwei Stunden mit den Counting Crows in Berlin - eine echte Fan-Veranstaltung also (viele erstaunlich junge Zuhörer sangen die wortreichen Songs mit). Dank Duritz zugleich ein Konzert wie ein vertontes Reisetagebuch. Gute Show, sympathische Band (die es sich sogar leisten konnte, ihren größten Hit «Mr. Jones» nicht zu spielen).

Konzert: 20.11. München, Theaterfabrik