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Krisen-Entspannung sei Dank: Dax springt über 11 000 Punkte

Der Dax ist am Freitag erstmals in seiner 27-jährigen Geschichte über die Marke von 11 000 Punkten gesprungen.

Anleger kauften angesichts abnehmender Sorgen um die Ukraine-Krise und die Probleme in Griechenland wieder deutsche Aktien, sagten Händler. Der Leitindex schraubte seinen Rekord am Morgen auf 11 013 Punkte hoch. Am Nachmittag stand der Index der 30 wichtigsten deutschen Aktien noch 0,62 Prozent höher bei 10 987,81 Punkten.

Plötzlich fügten sich die Puzzleteile wieder positiv zusammen mit einer vereinbarten Waffenruhe in der Ukraine und Signalen über eine Kompromissbereitschaft Griechenlands, sagte ein Händler. Das gebe den Börsen den entscheidenden Schub. Gute Konjunkturdaten kamen hinzu: Die Wirtschaft Deutschlands und des Euroraums als Ganzem ist zum Jahresende hin stärker gewachsen als erwartet. Volkswirt Heinrich Bayer von der Postbank zufolge wurden die Erwartungen weit übertroffen.

Der MDax legte bis zum Nachmittag 0,33 Prozent auf 19 275,77 Punkte zu. Der Index der mittelgroßen Werte erreichte ebenfalls einen Höchststand. Der TecDax gab dagegen 0,30 Prozent auf 1522,11 Punkte ab. Der Eurozone-Leitindex Eurostoxx50 kletterte mit plus 1,10 Prozent auf ein Hoch seit September 2008.

Zuvor habe die politische Unsicherheit die eigentlich gute Stimmung gedämpft und die Aufmerksamkeit der Anleger von dem sich verbessernden wirtschaftlichen Umfeld in der Eurozone abgelenkt, sagte Händler Markus Huber vom Londoner Broker Peregrine & Black.

Der Wertpapierexperte Ludwig Donnert von Orca Capital ergänzte mit Blick auf die Großwetterlage, dass die Notenbanken weiterhin die weltweiten Kapitalmärkte mit billigem Geld fluteten. Da es zur Aktie derzeit keine klare Anlagealternative gebe, jagten die Börsen weiterhin von einem Rekord zum nächsten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Mitte Januar mit einer billionenschweren Geldspritze die Börsen euphorisiert und die Kursrallye weiter angeheizt. Dabei ist die Bewertung des Dax laut Donnert immer noch nicht zu teuer - weder historisch, noch im Vergleich zu anderen Börsen. Vor allem gelte dies aber relativ zu Anleihen.

Commerzbank-Aktien standen mit plus 3,07 Prozent auf 11,585 Euro an der Dax-Spitze. Mit der Hoffnung auf Griechenland verbessere sich auch die Stimmung für die Bankenwerte, sagte Experte Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Die Papiere der Deutschen Bank verteuerten sich um 2,22 Prozent.

Aktien von ThyssenKrupp rutschten dagegen um 3,22 Prozent auf 22,87 Euro ab und standen am Dax-Ende. Der Industriekonzern arbeitet sich zwar weiter aus der tiefsten Krise der jüngeren Firmengeschichte heraus und steigerte im ersten Geschäftsquartal Umsatz und Gewinn. Ein Händler zeigte sich jedoch nicht von allen Details des vorgelegten Berichts überzeugt.

Die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet besorgte sich nur vier Monate nach ihrem milliardenschweren Börsengang wieder frisches Geld über eine Kapitalerhöhung. Die Aktie verlor 3,87 Prozent auf 51,72 Euro.

Die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere fiel auf 0,26 (Vortag: 0,28) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg 0,07 Prozent auf 140,23 Punkte. Für den Bund-Future ging es runter um 0,09 Prozent auf 158,97 Punkte. Der Euro wertete auf: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1381 (1,1328) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8787 (0,8828) Euro.