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Künstler-Solidarität mit Böhmermann

Künstler-Solidarität mit Böhmermann
Künstler-Solidarität mit Böhmermann
Britta Pedersen

Viele Künstler haben sich in Deutschland mit dem ZDF-Satiriker Jan Böhmermann solidarisiert. Unter anderem forderten Schauspieler Matthias Brandt, Pianist Igor Levit und Schauspielerin Katja Riemann in einem offenen Brief, die juristischen Ermittlungen unverzüglich einzustellen.

Das Schreiben veröffentlicht die Wochenzeitung «Die Zeit». Der 35-jährige ZDF-Moderator hatte vor zwei Wochen in seiner Sendung «Neo Magazine Royale» in einem Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bewusst beleidigende Formulierungen benutzt. Er kündigte das Gedicht in der Sendung als Beispiel für herabwürdigende Schmähkritik an, die nicht erlaubt sei.

Am Dienstagabend sagte Erdogans Anwalt Hubertus von Sprenger, mit seinem Mandanten bis in die letzte Instanz gegen das «Schmähkritik»-Gedicht Böhmermanns vorzugehen. «Wenn ich das Mandat annehme, ziehe ich das auch durch», sagte von Sprenger im ZDF-«heute journal». «Der Präsident verspricht sich die Bestrafung des Betroffenen und verspricht sich auch, dass der in Zukunft das nicht wiederholt, was er gesagt hat, auf zivilrechtlicher Ebene.»

Nach Anzeigen gegen Böhmermann und Verantwortliche des ZDF ermittelt die Mainzer Staatsanwaltschaft. Die Bundesregierung prüft außerdem einen förmlichen Wunsch der Türkei nach einer Strafverfolgung Böhmermanns wegen der Beleidigung eines Staatsoberhaupts nach Paragraf 103 des Strafgesetzbuchs. Eine Entscheidung wird bald erwartet. Die Künstler verlangten in ihrem Brief dagegen die zügige Abschaffung des Paragrafen.

Angesichts der Vorwürfe gegen Böhmermann betonte die Chefin der Länder-Rundfunkkommission, Malu Dreyer (SPD), die Bedeutung der Meinungsfreiheit. «Die Freiheit der Presse, der Meinung und der Kunst in unserem Land ist ein hohes Gut», teilte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin der Deutschen Presse-Agentur mit. «Es ist von unserem Grundgesetz geschützt und nicht verhandelbar.»

Die ARD-Talkerin Anne Will, deren Einladung Böhmermann für den vergangenen Sonntags-Talk absagte, kritisierte in einem Gespräch mit dem «SWR UniTalk» die Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die vor einigen Tagen das Böhmermann-Gedicht als «bewusst verletzend» bezeichnet hatte. «Es ist plötzlich eine Affäre daraus geworden und das durch das Zutun der Bundeskanzlerin und zuvor durch die Intervention des türkischen Staatspräsidenten. Es wäre schön, wenn man die Kirche wieder zurück ins Dorf bekäme. Jetzt ist es ein Desaster.»

Der inzwischen für Böhmermann angeordnete Polizeischutz stößt beim Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, auf Verständnis: «Man muss leider davon ausgehen, dass es gerade in diesem Konflikt mit diesem unglaublichen Hype den ein oder anderen Eiferer gibt, von dem möglicherweise Gefahren ausgehen», sagte Wendt der Deutschen Presse-Agentur.

Am Dienstag war bereits bekanntgeworden, dass die Produktionsfirma btf GmbH und Jan Böhmermann in Abstimmung mit dem ZDF entschieden haben, die für Donnerstag geplante nächste Ausgabe des «Neo Magazin Royale» nicht zu produzieren. Grund sei die breite Berichterstattung und der damit verbundene Fokus auf die Sendung und den Moderator. Auch Böhmermanns sonntägliche Radiosendung «Sanft und Sorgfältig» bei radioeins mit dem Musiker Olli Schulz wurde zum zweiten Mal in Folge abgesagt.

Am Mittwochmorgen stiftete «Bild»-Herausgeber Kai Diekmann mit einem angeblichen Böhmermann-Interview Verwirrung. Das auf Diekmanns Facebook-Seite veröffentlichte Gespräch war übertitelt mit den Worten: «Jan Böhmermann bricht sein Schweigen! Das große Interview zum Erdogan-Eklat!» Der ZDF-Moderator wird im weiteren Verlauf unter anderem auf die Frage nach dem Grund seiner Satire mit den Worten zitiert: «Wie gehen wir mit schrecklichen Regimen um, auf die wir angewiesen sind? Mit «Traumschiff» und «Forsthaus Falkenau» treten Sie solche Debatten nun mal nicht los. Das ZDF sollte mir dankbar sein. Das ist meine Botschaft. Making ZDF great again, wie Donald Trump sagen würde!» Später twitterte Diekmann: «Ich sag' es mal in den Worten des falschen Böhmermann: «Das ganze Leben ist Satire. Man muss sie nur erkennen.» #Boehmermann #Interview».