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Kurioses 2013: Keks-Diebstahl und Spätzle-Fehde

Kurioses 2013: Keks-Diebstahl und Spätzle-Fehde
Kurioses 2013: Keks-Diebstahl und Spätzle-Fehde
Jonas Rest/Berliner Zeitung

In Berlin herrschte ein Krieg um den Zuzug aus Schwaben mit Spätzle als Munition. In Hannover begaben sich Ermittler auf Spurensuche nach dem verschwundenen Gold-Keks.

Und rund um den Globus tanzten Menschen den Harlem Shake. Ach ja, dann gab es noch einen mysteriösen Mumienfund. Die kuriosen Höhepunkte 2013:

SPÄTZLE-FEHDE: Das Jahr begann mit Zoff. Es wurde sogar ein Anschlag verübt - mit Spätzle. Aber der Reihe nach: Den Streit fachte der damalige Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) zum Jahreswechsel in Berlin an. Er beklagte das Verhalten von Zuzüglern und forderte von den Schwaben, sich besser zu integrieren - beim Bäcker heiße es Schrippen und nicht Weckle. Das Ländle war verstimmt. Dann kam es zum Anschlag in seinem Stadtteil, dem Prenzlauer Berg. Spätzle flogen auf eine Skulptur der Bildhauerin Käthe Kollwitz am Kollwitzplatz. Sogar die «New York Times» berichtete über die Spätzle-Werfer: die «schwäbische Separatistengruppe "Free Schwabylon"». Diese forderte einen autonomen schwäbischen Bezirk in der Hauptstadt. Rund um den Platz wurden Straßenschilder mit der in Baden-Württemberg typischen Endung -le ergänzt: Aus der Knaackstraße etwa wurde ein Knaacksträßle.

KEKS-KRIMI: Etwa zeitlich parallel spielte sich in Hannover ein Keks-Krimi ab. Was war passiert? Der goldene Keks, das rund 100 Jahre alte Kunstwerk und Wahrzeichen des Gebäckherstellers Bahlsen, wurde vom Stammhaus abmontiert und gestohlen. Es erschien ein Bild mit einer Kreuzung aus Kermit und Krümelmonster - dazu ein Bekennerschreiben. Darin die Forderung, Vollmilch-Kekse an ein Kinderkrankenhaus und 1000 Euro an ein Tierheim zu spenden. Andernfalls werde der Keks in der Mülltonne landen. Die Polizei ermittelte wegen Diebstahls und versuchter Erpressung. Firmenchef Werner M. Bahlsen wollte sich nicht erpressen lassen und versprach stattdessen, 52 000 Packungen Kekse für 52 soziale Einrichtungen zu verschenken - in Anlehnung an die 52 Zacken der Butterkekse. Dann keimte in einem Schreiben Hoffnung auf: «Weil der Werni den Keks so lieb hat wie ich und der jetzt immer weint und den Keks ganz dolle vermisst geb ich den zurück!!!» Die Wende im Keks-Krimi: Anfang Februar wurde vor Hannovers Leibniz Universität der Keks gefunden. Mit einer roten Schleife verziert, hing er an einer Kette am Hals des Niedersachsenpferd-Denkmals. Im Juli wurde das Kunstwerk neu vergoldet wieder an seinen Platz gehängt - jetzt übrigens mit Kameraüberwachung.

HARLEM-SHAKE-FIEBER: Während viele - womöglich kekskauend - den Niedersachsen-Krimi aus der Ferne verfolgten, schüttelten sich andere wild an allen möglichen Orten und veröffentlichten ihre Tanz-Filmchen im Internet. Der Harlem Shake ging um die Welt. Zugrunde lag der Elektro-Song «Harlem Shake» des US-DJs Baauer. Tausende produzierten in den ersten Monaten Videos, auf denen unkontrollierte, zuckende Bewegungen zu sehen waren, in Anlehnung an einen Tanz aus den 1980ern im New Yorker Stadtteil Harlem. Eine tiefe Stimme ertönt: «Do the Harlem Shake». Und vermeintlich sterbenslangweilige Situationen verwandeln sich in Tanz-Orgien. Es begann ein weltweiter Wettlauf um das verrückteste Video, von der Vereinsfeuerwehr bis zu Flashmobs an internationalen Wahrzeichen. Wackel-Hintern gab's in Wohnzimmern, Restaurants, Büros und auf Straßen.

MUMIE: Zu viel Aufmerksamkeit brachte es auch eine Dachboden-Mumie aus Niedersachsen. Der Sarkophag wurde Anfang August zufällig entdeckt. Ein Zehnjähriger fand die Mumie auf dem Dachboden im Haus der Großeltern in Diepholz. Anfangs gab es Hinweise darauf, dass sie 2000 Jahre alt sein könnte. Die Forscherherzen schlugen wohl schon höher - ein Sensationsfund? Die Gerichtsmedizin sollte klären, ob es sich um ein Verbrechen handelte, weil die Bandagen der Mumie aus dem 20. Jahrhundert stammten. Als eine Computertomographie noch einen Pfeil in der Augenhöhle des Skeletts sichtbar machte, wurde der Krimi perfekt. Und dann das: Es stellte sich heraus, dass das Skelett überwiegend aus Plastik bestand, der Schädel war echt - alles nach Art einer 2000 Jahre alten Mumie eingewickelt. Der Vater des Jungen brachte es auf den Punkt: «Erst sollte es ein historisches Fundstück sein, dann kam der Verdacht eines Verbrechens auf. Und jetzt soll es eine billige Fälschung mit einem Karnevalsskelett und einem Kinderpfeil sein - mir fällt da eigentlich nichts mehr zu ein.» Die Ermittlungen gingen danach weiter.

UND SONST? Seit Februar dürfen in Paris Frauen offiziell Hosen tragen. Bis dahin galt bis Ende Januar eine Verordnung aus dem Jahr 1800, die Frauen verpflichtete, das Tragen einer Hose bei der Polizeipräfektur anzumelden.

Ach ja, und dann verschwand noch das inoffizielle längste Wort der deutschen Sprache aus dem Sprachgebrauch: Das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz - kurz «RkReÜAÜG» des mecklenburg-vorpommerischen Landesrechts.