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Lokführer- und Pilotenstreiks legen den Verkehr lahm

Verspätungen, Zugausfälle - und dann bleiben auch noch Flugzeuge am Boden: Bahn-Fahrgäste und Germanwings-Passagiere werden auch am Donnerstag von streikenden Lokführern und Piloten ausgebremst.

Bereits am Mittwoch waren mit Beginn des Lokführerstreiks viele Bahnsteige menschenleer. In den wenigen Zügen, die doch fuhren, drängten sich die Fahrgäste. Viele stiegen ins Auto oder wichen auf Taxis und Busse aus.

Die Nachwehen des Streiks bei der Bahn, der nach 14 Stunden um 04.00 Uhr am Donnerstagmorgen endet, dürften Pendlern weiter zu schaffen machen. Von mittags lassen dann die Germanwings-Piloten die Arbeit ruhen: Bei der Lufthansa-Tochter sind 100 von 500 Flügen gestrichen.

Etwa 5400 Piloten und Co-Piloten der Fluggesellschaften Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings kämpfen gegen Einschnitte bei ihren Übergangsrenten. Die Lokführer wollen mehr Geld, weniger arbeiten und ihren Einfluss auch auf Tarifangelegenheiten anderer Mitarbeiter der Bahn ausdehnen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) rief die Tarifparteien bei beiden Unternehmen zu einer schnellen Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Zur Tarifautonomie gehöre auch das Mittel des Streiks, sagte Dobrindt in Berlin. Damit sei aber besonders verantwortungsvoll umzugehen, um die Zahl der betroffenen Dritten gering zu halten.

Ziel des Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) war ein flächendeckender Stillstand im Fern- und Regionalverkehr wie auch bei den S-Bahnen. Auch der Güterverkehr ist von dem Ausstand betroffen. Die Bahn wollte am Donnerstagabend eine erste Bilanz ziehen.

Je nach Schicht seien 2000 bis 5000 Kollegen im Ausstand, hatte GDL-Chef Claus Weselsky zum Auftakt auf dem Leipziger Hauptbahnhof angekündigt. Kritik am zweiten Streik innerhalb von acht Tagen wies er zurück. «Das ist unser gutes Recht», sagte Weselsky.

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Geld und zwei Stunden weniger Wochenarbeitszeit. Sie will auch für das übrige Zugpersonal verhandeln. Die Bahn will hingegen verhindern, dass die Lokführergewerkschaft auch die Rechte der Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten vertritt.

Tausende Fahrgäste hatten schon vor dem Streik vergeblich auf Züge gewartet. Bereits seit Mitternacht fielen etliche Verbindungen aus, weil die Bahn mit abgespeckten Ersatzfahrplänen auf die Streikankündigung reagiert hatte.

«Wir werden Donnerstagmorgen so schnell wie möglich versuchen, wieder den Normalbetrieb aufzunehmen», sagte ein Bahnsprecher. Pendler sollten aber mehr Zeit einplanen, um rechtzeitig zum Arbeitsplatz zu kommen.

Die Germanwings-Flugkapitäne wollen bundesweit für zwölf Stunden die Arbeit niederlegen, wie die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch in Frankfurt ankündigte. Reisende müssen sich zum Ende der Herbstferien in Nordrhein-Westfalen und Thüringen auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen.

Im Streit um die Übergangsrenten für 5400 Piloten und Co-Piloten der Fluggesellschaften Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings habe das Unternehmen bedauerlicherweise keinen Kompromissvorschlag der Vereinigung Cockpit aufgegriffen, erklärte die Gewerkschaft. «Deswegen müssen sich die Kunden in der nächsten Zeit auf weitere Streiks einstellen».

Die Lufthansa hatte die bisherigen Regeln zur Übergangsrente zum Jahresende 2013 gekündigt. Sie will, dass die Piloten frühestens mit 60 (bislang 55) Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen. Das durchschnittlich zu erreichende Austrittsalter soll von 58 auf 61 Jahre steigen.

Zwischen der Bahn und der GDL herrscht weiter Funkstille. Eigentlich seien für Mittwochabend vertrauliche Gespräche vereinbart gewesen, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. «Diese Chance wird durch den Streik mutwillig vertan.» Ob weitere Streiks eventuell am Wochenende drohen, wollte die GDL nicht sagen.