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Medizin-Nobelpreis für Navigationssystem im Hirn

Medizin-Nobelpreis für Navigationssystem im Hirn
Medizin-Nobelpreis für Navigationssystem im Hirn
Bertil Ericson

Für die Entdeckung eines Navis im Gehirn bekommen drei Forscher in diesem Jahr den Medizin-Nobelpreis. Das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser sowie John O'Keefe (USA/Großbritannien) haben grundlegende Strukturen unseres Orientierungssinns gefunden.

Genau diese Hirnteile werden bereits in einem frühen Stadium von Alzheimer zerstört. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit fast 880 000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Das Karolinska-Institut in Stockholm gab die Entscheidung über die Preisträger am Montag bekannt.

«Ich bin immer noch schockiert. Das ist so großartig», sagte May-Britt Moser (51) laut Nobel-Komitee. Sie sei vor Freude in ihrem Institut herumgetanzt. Ihr Mann Edvard (52) saß während der Bekanntgabe im Flugzeug und landete kurz darauf in München.

Der Neurobiologe Prof. Tobias Bonhoeffer sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Ich habe mit ihm telefoniert, als er an der Gepäckausgabe stand. Er wusste noch gar nichts.»

Später habe Moser auf sein Handy geschaut und gesehen, dass der Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees ihn angerufen habe. An Bonhoeffers Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München wird Moser demnächst drei Wochen tätig sein.

«Das Ehepaar Moser hat fantastische Arbeit gemacht, auch konzeptionell. Sie haben die Auszeichnung wirklich verdient», sagte der Neurowissenschaftler Prof. Helmut Kettenmann vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin. Er beschreibt das Paar als «jung und dynamisch». Die beiden hätten sich schon zu Studienzeiten an der Universität Oslo kennengelernt.

Die drei diesjährigen Preisträger haben laut Nobel-Komitee ein Problem gelöst, das Philosophen wie Immanuel Kant und Wissenschaftler über Jahrhunderte hinweg beschäftigt habe: «Wie kreiert das Gehirn Karten vom Raum um uns herum und wie können wir unseren Weg durch eine komplexe Umgebung finden?» Göran K. Hansson, Sekretär des Komitees ergänzte: «Es ist ein Preis für eine grundlegende Entdeckung dessen, wie unser Gehirn funktioniert.»

Bereits 1971 hatte John O'Keefe, der 1939 in New York geboren wurde, laut Nobel-Komitee die ersten Komponenten des Navigationssystems entdeckt. Dieser Typ von Nervenzellen im Hippocampus wurde immer aktiviert, sobald eine Ratte an einem bestimmten Ort innerhalb eines Raumes war. Andere Nervenzellen arbeiteten, wenn das Tier woanders saß.

O'Keefe schloss daraus, dass diese Ortszellen im Hirn eine Art Karte des Raumes formen. So könne auch die Erinnerung an eine bestimmte Umgebung gespeichert werden - und zwar als eine spezifische Kombination von aktivierten Ortszellen im Hirn.

Mehr als drei Jahrzehnte später, im Jahr 2005, entdeckten May-Britt und Edvard Moser neben dem Hippocampus weitere Schlüsselkomponenten zur Orientierung. Diese sogenannten Rasterzellen dienen dazu, einen Weg zu finden. Danach ermittelten sie, wie Ortszellen im Hippcampus und Rasterzellen bei der Orientierung zusammenarbeiten.

Jüngste Studien mit bildgebenden Verfahren haben gezeigt, dass diese Elemente alle auch beim Menschen existieren. Bei Alzheimer-Patienten sind sie unter den ersten, die zerstört werden, weshalb den Kranken die Orientierung schwerfällt. Möglicherweise können die Erkenntnisse einmal zur Therapie beitragen, schreibt die Körber-Stiftung in Hamburg, deren renommierten Preis das Ehepaar Moser vor einem Monat verliehen bekommen hatte.

«Die Fähigkeit zu wissen, wo wir sind und unseren Weg zu finden, sind bedeutend für unserer Existenz», sagte Ole Kiehn vom Karolinska-Institut. Nach Auffassung des Nobel-Komitees hat die Entdeckung des Navis im Hirn zu einem «Paradigmenwechsel» geführt. «Sie hat neue Wege geöffnet für unser Verständnis über andere kognitive Prozesse wie Erinnern, Denken und Planen.»

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.