BKA
Das Wappen des Bundeskriminalamtes hängt an der Fassade der Zentrale. Boris Roessler/dpa
Kriminalität

Mehr politisch motivierte Taten mit diffusem Hintergrund

Die Zunahme politisch motivierter Kriminalität steht wohl in engem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Oftmals können die Behörden den Tätern keine politische Richtung zuordnen.
dpa
Berlin

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten hat im vergangenen Jahr noch deutlicher zugenommen als bisher bekannt.

Wie aus der am Dienstag veröffentlichten Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) für 2021 hervorgeht, wurden im Jahresverlauf in Deutschland 55.048 Straftaten mit politischem Hintergrund gezählt. Das waren gut 23 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Mit einem Plus von mehr als 147 Prozent war der Anstieg bei solchen Straftaten, die von der Polizei keiner speziellen Ideologie zugeordnet wurden, am größten. Auf Tatverdächtige, die weder als Rechte, Linke, Islamisten oder Anhänger einer ausländischen Ideologie verortet wurden, entfielen den Angaben zufolge 21.339 Delikte.

Corona-Pandemie als Hauptgrund?

Experten sehen hier unter anderem einen Zusammenhang mit den Protesten gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Dazu passt, dass auch die Zahl der Straftaten gegen den Staat und seine Vertreter im vergangenen Jahr noch einmal stark zugenommen hat. Mehr als 14.000 Straftaten hat die Polizei hier registriert – ein Plus von knapp 51 Prozent. Knapp drei Viertel der Taten, die sich gegen Amts- oder Mandatsträger richteten, betrafen Tatverdächtige, die von der Polizei ideologisch keiner bestimmten Ideologie zugeordnet werden konnten.

Insgesamt wurden laut BKA die meisten Straftaten von rechts motivierten Tätern verübt. Die Polizei zählte hier knapp 22.000 Straftaten – ein Rückgang um knapp sieben Prozent. Rund 10.000 Straftaten wurden Linken zugeordnet – auch hier waren es rund 7,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Dass im vergangenen Jahr so viele Straftaten mit politischem Hintergrund verübt wurden wie in den vergangenen 20 Jahren nicht, war schon im Januar durch eine parlamentarische Anfrage bekanntgeworden.

© dpa-infocom, dpa:220510-99-227069/2

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