WELTHANDEL

Merkel für Investitionen für erneuerbare Energien in Afrika

Die „Compact for Africa”-Konferenz in Berlin ist eine Art Abschied der Kanzlerin vom afrikanischen Kontinent. Oft hat sich Merkel dort für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft eingesetzt.
dpa
Online-Wirtschaftsgipfel „G20 Compact with Africa”
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßt Felix Tshisekedi, Präsident der Demokratischen Republik Kongo, beim „G20 Compact with Africa” Treffen. Foto: Michele Tantussi/Reuters-Pool/dpa Michele Tantussi
Bundeskanzlerin Angela Merkel
Deutschlands Wirtschaft muss nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr in Afrika investieren – gerade im Bereich der erneuerbaren Energien. Foto: John Macdougall/AFP POOL/dpa John Macdougall
Berlin ·

Deutschlands Wirtschaft muss nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr in Afrika investieren – gerade im Bereich der erneuerbaren Energien.

„Afrika verfügt über so viele Marktpotenziale, die es aber auch besser zu nutzen gilt”, sagte Merkel am Freitag in Berlin bei einer Konferenz der Subsahara-Afrika-Initiative der Deutschen Wirtschaft. „Ihr Ausbau ist von enormer Bedeutung dafür, dass wir unsere globalen Klimaziele auch wirklich erreichen können”, betonte sie.

Am Rande der Konferenz gab der Impfstoffhersteller Biontech bekannt, künftig Malaria- und Tuberkulose-Impfstoffe in Afrika herstellen zu wollen. Biontech prüfe dazu Produktionsanlagen in Ruanda und Senegal, so das Mainzer Unternehmen.

Online organisiertes Treffen

Zum Auftakt eines teils online organisierten Treffens der Initiative „G20 Compact with Africa”, der zwölf afrikanische Länder angehören, forderte Merkel mehr Engagement für eine eigenständige Produktion von Corona-Impfstoffen in Afrika. Man müsse alles tun, „um die Versorgung Afrikas mit Impfstoffen zu ermöglichen und um auch eine möglichst schnelle Produktion von Medizingütern und Impfstoffen auf dem afrikanischen Kontinent möglich zu machen”, sagte sie.

Die Länder der Afrikanischen Union importierten nach Angaben der Gemeinschaft zuletzt 99 Prozent ihrer Impfstoffe. 2040 sollen es nur noch 40 Prozent sein. In der Corona-Krise hatte die Afrikanische Union erst im Juli gefordert, dass Europa mehr tun müsse, um die globalen Ungerechtigkeiten bei der Impfstoffverteilung aufzuheben.

Die „Compact for Africa”-Initiative war 2017 während der deutschen Präsidentschaft in der Gruppe der wichtigsten Wirtschaftsmächte (G20) ins Leben gerufen worden. Die Konferenz in Berlin ist auch eine Art Abschied Merkels als Kanzlerin vom afrikanischen Kontinent. Ein Abschiedsbesuch dort vor dem Ausscheiden aus dem Amt nach der Bundestagswahl Ende September dürfte wegen der Pandemie nicht mehr möglich sein. Merkel hatte sich auf vielen Reisen für die Entwicklung Afrikas eingesetzt. Neben der Wirtschaft standen dabei meist auch Gesundheits- und Bildungsfragen sowie die Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen und Mädchen auf der Tagesordnung.

Impfquote in ärmeren Ländern sehr niedrig

Italiens Regierungschef Mario Draghi, dessen Land aktuell den G20-Vorsitz inne hat, dankte Merkel für ihr Engagement und beklagte die ungleiche Verteilung von Impfstoffen. Während in den reicheren Ländern der Erde fast 60 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft sei, liege die Quote in den ärmeren Ländern bei 1,4 Prozent. „Diese Unterschiede verstärken die globale Ungleichheit und erschweren es für uns alle, die Pandemie zu einem Ende zu bringen.”

Wegen Corona und damit einhergehender Jobverluste befürchten Experten zunehmende Instabilität auf Europas Nachbarkontinent. Gefragt sind auch kurzfristige Liquiditätshilfen. „Anders als Deutschland stecken viele Länder Afrikas in einer Liquiditätskrise; sie haben kaum Mittel zur Verfügung, um die finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Pandemie zu bewältigen”, warnte die Entwicklungsorganisation One. Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft mahnte, die Entwicklungspolitik stärker auf die Schaffung von Arbeitsplätzen in Afrika auszurichten.

Die Corona-Restriktionen haben eine verheerende Auswirkung auf die Wirtschaft in vielen afrikanischen Ländern. Millionen Menschen in der informellen Wirtschaft oder ohne Arbeit kämpfen um ihre Existenz. Zwischen Sudan und Simbabwe verstärkte die Corona-Epidemie oft noch vorhandene strukturelle wirtschaftliche Probleme. Inzwischen nähert sich die Zahl der Fälle in Afrika laut der panafrikanischen Gesundheitsorganisation Africa CDC 7,6 Millionen, die Zahl der Toten bewegt sich auf die 200 000er-Schwelle zu.

© dpa-infocom, dpa:210827-99-994497/3

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