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Messi: Präsident hofft - Maradona gibt Verband die Schuld

Messi: Präsident hofft - Maradona gibt Verband die Schuld
Messi: Präsident hofft - Maradona gibt Verband die Schuld
Andreas Gebert

Selbst Staatschef Mauricio Macri bittet Lionel Messi um den Rücktritt vom Rücktritt und will den Superstar weiter im National-Trikot sehen. Während die Welt über den Brexit spricht, hat Argentinien mit dem «Mexit» zu kämpfen - dem Abschied von Messi aus der Nationalmannschaft.

Der Twitter-Hashtag «#NoTeVayasLio» (Geh' nicht, Lio) war seit der Ankündigung des Superstars nach dem Finale der Copa América am Sonntag nicht nur im Internet allgegenwärtig, sondern stand am Montag auch in Leuchtschrift an den Eingängen von U-Bahnhöfen und auf Verkehrsschildern in der Hauptstadt Buenos Aires. Präsident Macri schloss sich dem Wunsch an und twitterte: «Ich hoffe, dass die Freude, den Besten der Welt zu sehen, noch viele Jahre fortdauert.»

Gleichzeitig wird nun über Messis Stellenwert in der argentinischen Fußballhistorie diskutiert - und die obligatorischen Vergleiche mit Diego Maradona bleiben nicht aus. Eine Parallele weist der Rücktritt des «Flohs» nach dem verlorenen Endspiel in East Rutherford zum Abgang des Nationalhelden tatsächlich auf: Auch Maradonas Karriere in der «Selección» endete in den USA - nach einer positiven Dopingprobe bei der Weltmeisterschaft 1994.

Ähnlich skandalös war Messis möglicherweise letzter Auftritt als argentinischer Nationalspieler zwar nicht, aber nach einem verschossenen Elfmeter gegen Chile bei der dritten Finalniederlage innerhalb von zwei Jahren nicht minder schmerzhaft.

Der fünfmalige «Weltfußballer des Jahres» tritt als Rekordtorschütze seines Landes ab, aber ohne großen Titel mit der Nationalmannschaft. «Das muss ihn quälen», sagte der Präsident des aktuellen argentinischen Meisters Lanús, Nicolás Russo, dem Radiosender La Red. Die Vergleiche zwischen Messi und Maradona seien zwar unvermeidlich. «Aber für mich gibt es keinen Vergleich, Maradona war einzigartig.»

Die Legende selbst meldete sich auch zu Wort und stellte sich hinter den in der Heimat - auch von ihr - oft kritisierten Messi. «Sie haben ihn allein gelassen», sagte Maradona mit Blick auf die Führung des argentinischen Fußballverbands Afa der Zeitung «La Nación». Er wolle mit Messi gegen die Funktionäre kämpfen, die ihn nun als Sündenbock ausnutzten. «Sie lassen den Jungen seinen Kopf hinhalten, um ihre eigenen Katastrophen in der Afa zu verschleiern.»

Tatsächlich steckt der Verband seit dem Tod des langjährigen Präsidenten Julio Grondona vor zwei Jahren in einer schweren Krise. Die Wahl eines Nachfolgers im vergangenen Dezember wurde für ungültig erklärt, weil mehr Stimmzettel abgegeben worden waren als wahlberechtigte Vereine zugelassen waren. Vergangene Woche wurde Übergangschef Luis Segura wegen der Verteilung von Fernsehgeldern des schweren Betrugs einer öffentlichen Verwaltung angeklagt.

Messi kritisierte die Funktionäre kürzlich ungewöhnlich deutlich. «Mein Gott, was für eine Katastrophe die von der Afa sind!!!!», schrieb er am Donnerstag vergangenen Woche bei Instagram, als er mit der Mannschaft auf den verspäteten Abflug nach New Jersey wartete.

Einen Tag später wurde «Lio» 29 Jahre alt. Viele Argentinier sind noch nicht bereit, einen Haken hinter die Auswahl-Karriere ihres Stars zu setzen, den viele noch immer für den besten Spieler des Planeten halten.

«Der Größte der Welt kann nicht sagen, dass er aus der Nationalmannschaft zurücktritt», sagte der frühere Verteidiger José Luis Brown dem Fernsehsender TyC Sports. «Ich akzeptiere seinen Rücktritt nicht», erklärte der Schütze des argentinischen 1:0 im WM-Finale 1986 gegen Deutschland - als Maradona die stolze Fußball-Nation zur ihrem bislang letzten WM-Triumph führte.