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Moody's: Niedrigzinsen treiben Lebensversicherer in rote Zahlen

Moody's: Niedrigzinsen treiben Lebensversicherer in rote Zahlen
Moody's: Niedrigzinsen treiben Lebensversicherer in rote Zahlen
Arno Burgi

Die deutschen Lebensversicherer steuern nach Darstellung der US-Ratingagentur Moody's infolge der Niedrigzinsen auf lange Sicht auf rote Zahlen zu.

Wegen der traditionell hohen Zinsgarantien sowie der unterschiedlichen Laufzeiten von Verträgen und Finanzanlagen seien die deutschen Versicherer von den geringen Renditen besonders stark betroffen, schreiben die Moody's-Analysten Benjamin Serra und Simon Harris in einem Branchenkommentar. Ihre Berechnungen umfassen die nächsten zehn Jahre. Sollten die Zinsen auf dem derzeitigen Niveau verharren, werde dies letztlich zu Verlusten bei den Unternehmen führen.

Die Reserve, die die Versicherer wegen des niedrigen Zinsniveaus seit 2011 jedes Jahr aufbauen müssen, dürfte diese Entwicklung noch beschleunigen. «Nach rund 5 Milliarden Euro im Jahr 2012 wird die Branche Ende dieses Jahres eine Zinszusatzreserve in Höhe von schätzungsweise rund 6 Milliarden Euro verbuchen müssen», sagt Analyst Serra.

Sollten die Zinsen noch zehn Jahre lang auf diesem Niveau bleiben, sei für Ende 2023 sogar ein anteiliger Rückstellungsbedarf von 40 bis 90 Milliarden Euro zu erwarten. Dann müsse die Branche einen Großteil ihrer stillen Reserven heranziehen, um die geltenden Kapitalvorschriften zu erfüllen.

Lebensversicherungsverträge in Deutschland garantieren den Kunden in der Regel eine feste Mindestverzinsung pro Jahr. Für Neuverträge liegt dieser Garantiezins inzwischen nur noch bei 1,75 Prozent. Wegen der Vielzahl alter Verträge müssen die Versicherer ihren Kunden im Schnitt aber noch 3,3 Prozent bezahlen. Diese Rendite können sie bei Neuanlagen an den Finanzmärkten aber kaum noch erzielen. Weil mit den Jahren immer mehr Gelder neu angelegt werden müssen, wird die Finanzierungslücke immer größer, je länger das niedrige Zinsniveau anhält.