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Mordprozess: Psychologinnen beurteilen Pfleger unterschiedlich

Gestörte Persönlichkeit oder nicht? Einen unter Mordverdacht stehenden Krankenpfleger beurteilen zwei Psychologinnen unterschiedlich. Der 37-Jährige leide an einer Persönlichkeitsstörung, sagte die Gefängnis-Psychologin vor dem Landgericht in Oldenburg.

Dort muss sich der frühere Pfleger wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten am Klinikum Delmenhorst verantworten. Eine Psychologin, die den Mann einige Jahre zuvor begutachtet hatte, sieht dagegen keine Persönlichkeitsstörung vorliegen.

Das Gericht hatte den Angeklagten wegen eines Mordversuchs an einem Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation bereits 2008 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er sitzt in Oldenburg in Haft. Der 37-Jährige hatte dem Mann eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt.

Inzwischen kommen immer mehr Verdachtsfälle hinzu. Die Polizei prüft allein an der Klinik Delmenhorst den Tod von 174 Patienten. Dazu kommen Fälle an seinen früheren Arbeitsstätten in Oldenburg, Wilhelmshaven und bei den Rettungssanitätern, für die er in seiner Freizeit fuhr.

Beide Psychologinnen sagten vor Gericht aus, dass der Pfleger einen ausgeprägten Geltungsdrang gehabt habe und dass er die Patienten nicht mehr als Menschen gesehen habe. Das Opfer im ersten Prozess habe er als «vergammelte Hülle» bezeichnet, sagte die Psychologin, die ihn wegen einer möglichen Vollzugslockerung untersucht hatte. «Der Patient war für ihn ein Objekt.» Er habe Notfälle provoziert, um mit dem Gefühl nach Hause gehen zu können, ein toller Krankenpfleger gewesen zu sein.

«Es mussten ganz viel Blut, ganz viel Piepen und viele Leute drum herum sein», sagte die Anstaltspsychologin, die den ehemaligen Pfleger seit 2011 betreut. «Nur durch diese Bewunderung hat er sich gespürt.»

Er habe immer besser sein wollen, als die anderen Pflegekräfte. Er habe viel zu viel gearbeitet, viel Alkohol und Tabletten genommen, um abschalten zu können. Weitere Taten habe er in den Gesprächen mit ihr nie direkt zugegeben - eher «durch die Blume», sagte sie. «Mein Verständnis war immer, dass es noch weitere Fälle gibt.»

Eine große Mordserie bestreitet der Angeklagte nach Aussage der Gefängnispsychologin. «Er hat gesagt, er wäre doch nicht der größte Massenmörder.» Dass die Polizei nun so viele Fälle untersuche, habe er als Wahnsinn bezeichnet. Andere Häftlinge hatten vor Gericht dagegen ausgesagt, er habe im Gefängnis mit seinen Taten geprahlt - bei 50 Opfern solle er angeblich aufgehört haben zu zählen. Die Richter wollten am Nachmittag eine erste Bewertung des Verfahrens abgeben.