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Nach FN-Triumph: Bürgerliche Front gegen Le Pen

Nach FN-Triumph: Bürgerliche Front gegen Le Pen
Nach FN-Triumph: Bürgerliche Front gegen Le Pen
Julien Warnand

Nach dem historischen Sieg der Front National (FN) bei Regionalwahlen in Frankreich wollen die regierenden Sozialisten in der zweiten Runde einen Erfolg der Rechtsextremen auf ganzer Linie verhindern.

Die Sozialisten von Präsident François Hollande wollen für die Stichwahlen am kommenden Sonntag auf eine Kandidatur in einigen Regionen verzichten und so den Siegeszug der Rechtsextremen stoppen.

Damit sinken im zweiten Durchgang die Chancen der FN von Parteichefin Marine Le Pen im Zweikampf gegen dann verbleibende konservative Kandidaten deutlich. Nach einer Umfrage der Zeitung «Le Parisien» würden sich bei einem Zweierduell zwischen Republikanern und Front National 59 Prozent der Wähler für den konservativen Kandidaten entscheiden.

In der ersten Runde der Wahlen für die neu gebildeten Regionen erzielte die Front National mit einem Wahlkampf gegen Europa, Flüchtlinge und Ausländer ihr bisher bestes Ergebnis auf Landesebene. Nach Angaben des französischen Innenministeriums konnten die Rechtsextremen landesweit 27,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Bei der Europawahl 2014 waren es noch 24,9 Prozent. Drei Wochen nach den Terroranschlägen von Paris fand die Abstimmung unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. In ganz Frankreich gilt weiter der Ausnahmezustand.

Das von den Republikanern geführte Parteienbündnis lag mit 26,7 Prozent einen Punkt dahinter (Europawahl: 20,8). Die regierenden Sozialisten Hollandes, dem schlechte Wirtschaftswerte und hohe Arbeitslosigkeit angelastet werden, kamen mit ihrem Bündnis auf 23,1 Prozent (14). Im zweiten Wahlgang baut Cambadélis auf die Unterstützung von Grünen und anderen linken Parteien, die zusammen gut 12 Prozent erzielten. In Frankreich herrscht nach dem blutigen Terror vom 13. November weiter der Ausnahmezustand.

Für die Sozialisten kündigte Parteichef Jean-Christophe Cambadélis einen Rückzug in Nord-Pas-de-Calais-Picardie im Norden des Landes sowie in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur im Südosten an. In diesen Regionen liegen Marine Le Pen und ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen nach dem ersten Wahlgang mit jeweils knapp 41 Prozent deutlich vorn.

Unter Verweis auf einen Beschluss der Parteispitze forderte Cambadélis am Montag auch den Kandidaten im Nordosten Frankreichs in Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine, Jean-Pierre Masseret, zu einem Verzicht auf. Der frühere Staatssekretär lehnt dies bisher ab. In der Region kam Florian Philippot, enger Vertrauter von Marine Le Pen, auf 36 Prozent. Masseret landete 20 Punkte dahinter.

Le Pen sprach von einem «kollektiven Selbstmord» der Sozialisten. Der Rückzug könne der Beginn des «vollständigen Verschwindens der Sozialistischen Partei» sein, sagte Le Pen.

Die Republikaner von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy lehnen einen Verzicht vor der zweiten Wahlrunde oder die mögliche Fusion von Parteilisten ab.

Nach einer Reform ist das französische Kernland in 13 statt bisher 22 Regionen aufgeteilt. Sie entsprechen in etwa den Bundesländern in Deutschland, haben aber deutlich weniger politische Bedeutung. Gewählt wurde auch in vier der fünf Überseeregionen.