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Nach Wahnsinns-Match: DTB-Damen verpassen Fed-Cup-Titel

In einem hochklassigen Duell über fast drei Stunden unterlag Kerber der zweimaligen Wimbledonsiegerin Petra Kvitova - nach dem uneinholbaren 0:3 im Endspiel von Prag waren die Hoffnungen auf den dritten deutschen Titel nach 1987 und 1992 zerstört.

Nach dem Wahnsinns-Match von Angelique Kerber schloss Andrea Petkovic ihre gute Freundin lange in die Arme und tröstete die weinende Nummer eins des deutschen Fed-Cup-Teams.

22 Jahre nach dem Triumph von Steffi Graf & Co. schaffte es Kerber mit ihrem Auftritt beim 6:7 (5:7), 6:4, 4:6 vor 13 000 lärmenden Zuschauern in der O2-Arena aber, trotz der Niederlage das zunächst völlig demoralisierte Team wieder aufzurichten. «Wir haben uns toll präsentiert, wir waren gestern zu sehr beeindruckt», sagte Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner dem TV-Sender Sat.1.

Tatsächlich waren Kerber und Petkovic tags zuvor bei ihren Auftritten völlig überrumpelt von der Atmosphäre. Petkovic hatte gegen Kvitova 2:6, 4:6 verloren. Kerber musste sich überraschend Lucie Safarova mit 4:6, 4:6 geschlagen geben. Trotz der Weltklasse-Leistung Kerbers verpassten es die deutschen Damen, als erste Mannschaft überhaupt ein 0:2 in einem Fed-Cup-Finale noch aufzuholen.

«Der Tag heute war sehr wichtig für uns alle. Das war unser wahres Gesicht. Wenn wir gestern schon so gespielt hätten, wäre es sicher anders gelaufen», sagte Rittner. «Ich bin saustolz. Wir werden zurückkommen und wir werden dieses Scheiß-Ding gewinnen, so wahr ich hier stehe.» Noch auf dem Platz schwor sich das deutsche Team in einem Kreis mit ihrer Trainerin auf dieses Ziel ein - erst einmal aber feierten die Tschechinnen nach 2011 und 2012 den dritten Titel in den vergangenen vier Jahren.

Nach ihrem enttäuschenden Auftritt am Samstag zeigte sich die Weltranglisten-Zehnte Kerber im Duell der Top-Spielerinnen wie verwandelt. Vor den Augen von Tennis-Legende Martina Navratilova duellierten sich Kerber und die Weltranglisten-Vierte Kvitova vor fast drei Stunden lang auf Augenhöhe. Kerber verspielte im ersten Durchgang eine 5:2-Führung und schaffte es nicht, einen ihrer sechs Satzbälle zu verwerten.

Als nach 76 Minuten der Durchgang im Tiebreak verloren war, versteckte Kerber ihren Kopf unter einem weißen Handtuch und musste von Rittner wort- und gestenreich wieder aufgemuntert werden. Die Teamchefin hatte auf einen Wechsel verzichtet und Kerber das Vertrauen geschenkt - was diese mit einer ihrer besten Leistungen überhaupt rechtfertigte.

In dem packenden und spannungsgeladenen Linkshänderinnen-Duell geriet die deutsche Nummer eins im zweiten Durchgang schnell mit 0:3 in Rückstand. Doch mit beeindruckender Nervenstärke und Konstanz gewann sie den Durchgang 6:4. Im dritten Satz führte Kerber sogar 4:1 - konnte aber den Vorsprung nicht halten, weil Kvitova trotz Krämpfen und Oberschenkelproblemen cool blieb bis zum letzten Ballwechsel.

«Als es nach zehn Minuten im zweiten Satz 0:3 stand, habe ich nur gehofft, hoffentlich kein 0:6 oder 1:6», sagte Rittner und betonte: «Am Ende war es einfach ein geiles Tennismatch, so wie es in einem Finale sein muss. Kvitova ist einfach eine absolute Topspielerin, sie hat unseren Mädels noch ein bisschen was voraus.»