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Nervöse Anleger hoffen auf politische Einigung

Nervöse Anleger hoffen auf politische Einigung
Nervöse Anleger hoffen auf politische Einigung
Justin Lane

Es ist ein Schuss vor den Bug der US-Politiker: Die Ratingagentur Fitch droht den Vereinigten Staaten wegen der Finanzstreitigkeiten mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Die Agentur setzte das begehrte «AAA» oder «Triple-A» unter Beobachtung.

Die Aktienkurse gerieten daraufhin nach Börsenschluss in New York leicht unter Druck. Auch an den europäischen Börsen steigt die Nervosität: Hatte der deutsche Aktienindex Dax am Vortag noch einen neuen Rekord von knapp 8821 Punkten erreicht, verhielten sich die Anleger am Mittwoch extrem zögerlich. «Die Anleger warten nun ab, wie es in den USA weitergeht und hoffen auf Entwarnung», sagte Christian Kremer, Chefhändler beim Online-Broker XTB. Der Dax pendelte bis zum Nachmittag um seinen Vortagesschluss und stand zuletzt nahezu unverändert bei 8796 Punkten. Ähnlich sah es beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx aus.

Fitch - neben Standard & Poor's und Moody's eine der drei großen Ratingagenturen - erklärte, durch die Unnachgiebigkeit der Politiker in Washington steige die Gefahr eines Zahlungsausfalls. An diesem Donnerstag (17. Oktober) wird die Schuldengrenze erreicht. Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung einigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein frisches Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Das wiederum dürfte über kurz oder lang dazu führen, dass das Land seine alten Schulden nicht mehr begleichen kann.

Nach Ansicht von Fitch untergraben die andauernden Streitereien in Washington das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems sowie - für die Ratingexperten noch schlimmer - in den Dollar als weltweite Reservewährung. «Und dieses Vertrauen ist ein wichtiger Grund, weshalb das "AAA" der USA einen deutlich höheren öffentlichen Verschuldungsgrad aushält als das "AAA" anderer Länder», heißt es in der Fitch-Analyse zur aktuellen Lage.

Bislang hatten sich die Ratingagenturen im Finanzstreit eher ruhig verhalten. Fitch geht nach eigener Aussage auch weiterhin davon aus, dass sich die Parteien bis zum Stichtag einigen werden. Sollte das nicht gelingen, fürchten die Experten, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen für Bürger ausbleiben. «All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen», urteilt die Ratingagentur.

Beim größten Fitch-Konkurrenten S&P hatten die Vereinigten Staaten nach ähnlichen Reibereien bereits vor zwei Jahren ihr Spitzenrating verloren. Hier besitzen die USA seitdem die zweitbeste Note «AA+». Schon damals hatte das Image der Wirtschaftssupermacht gelitten. Die Ratingagentur Moody's bewertet die Kreditwürdigkeit der USA derzeit weiter mit der Top-Note «AAA».

Ein schlechteres Rating bedeutet üblicherweise, dass ein Land höhere Zinsen beim Schuldenmachen zahlen muss. Weil US-Staatsanleihen allerdings als sicherer Hafen in Krisenzeiten gelten, konnten sich die Vereinigten Staaten bislang auch weiterhin zu günstigen Konditionen Geld am Kapitalmarkt leihen. Deutschland besitzt als eines von wenigen Ländern weiterhin ein «Triple-A» bei allen großen Ratingagenturen.

Derweil nimmt auch die chinesische Ratingagentur Dagong die Kreditwürdigkeit der USA ins Visier. «Wir haben nicht gesagt, dass wir abwerten werden», sagte ein Dagong-Sprecher auf Anfrage. In den kommenden Tagen werde die Analyseabteilung ihr Urteil veröffentlichen. «Noch gibt es kein konkretes Ergebnis.» Dagong Global Credit Rating gilt bisher wegen seiner intransparenten Verflechtung von Politik und Wirtschaft in China nicht als ernstzunehmender Konkurrent für Standard & Poor's, Moody's und Fitch.