ARMUT

Logistik-Zentrum der Tafeln in Neubrandenburg ist zu klein

Rund 20.000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern holen Lebensmittel bei den Tafeln ab. Doch nun sind die Kapazitäten ausgereizt. Auch das Neubrandenburger Lager sei ausgelastet.
dpa
Mit größeren Lagern könnten mehr Lebensmittel gerettet werden.
Mit größeren Lagern könnten mehr Lebensmittel gerettet werden. Daniel Karmann/dpa
Neubrandenburg.

„Die Zahl der Rentner unter den Tafelkunden ist innerhalb eines Jahres um 20 Prozent auf 430.000 gestiegen”, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Tafeln, Jochen Brühl. Es koste viel Energie, Armut zu verstecken. Diese Kraft hätten ältere Menschen oft nicht mehr – „und kommen dann zu uns”. Allerdings hätten viele Tafeln auch spezielle Angebote für ältere Menschen gestartet, etwa Seniorennachmittage. Dies habe möglicherweise die Hemmschwelle gesenkt und sei nebenbei auch ein Beitrag gegen Alterseinsamkeit. Brühl geht nicht davon aus, dass die derzeit diskutierte Grundrente Probleme grundsätzlich lösen werde. Eine effektive Bekämpfung der Altersarmut beginne im Erwerbsleben – oder noch früher. „Unter unseren Kunden sind auch 500.000 Kinder und Jugendliche.”

Zugleich bewertete der Verbandschef Forderungen nach höheren und für die Bauern auskömmlichen Lebensmittelpreisen kritisch. „Einfach nur höhere Lebensmittelpreise zu fordern, ist zu einfach. Das würde die Kundenzahl bei den Tafeln in die Höhe treiben.” Zwar sei das Anliegen von Landwirten und Teilen der Politik verständlich. Aber: „Auch Menschen, die wenig haben, müssen sich gesund ernähren können.”

Infrastruktur der Tafeln des Landes sei ausgelastet

Brühl forderte mehr Unterstützung der Politik. „Bislang sind unsere Lager und Kühlfahrzeuge ausschließlich spendenfinanziert. Wir geraten an Kapazitätsgrenzen.” Um noch mehr zu leisten, müsse aufgestockt werden. „Das Geld will uns aber niemand geben. Stattdessen werden wir von der Politik mit Schulterklopfern abgespeist.” Brühl sagte, auch die Infrastruktur der Tafeln des Landes sei ausgelastet, die Lager seien zu klein. „Es könnten mehr Lebensmittel gerettet werden, wenn unser Logistik-Zentrum in Neubrandenburg mehr Kapazitäten hätte.”

In den vergangenen zwei Jahren hätten die Tafeln in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 40 Prozent mehr Lebensmittel-Spenden erhalten. Die Waren-Überschüsse seien riesig. Allein die Tafel in Rostock hat mit ihren 16 Ausgabestellen nach eigenen Angaben einen täglichen Umsatz von bis zu acht Tonnen Lebensmitteln, davon werden bis zu drei Tonnen aussortiert und zum Beispiel an Bauern zur Fütterung ihrer Tiere weitergeleitet.

Dennoch meint Leiterin Beate Kopka, dass die Supermärkte noch zu viele Lebensmittel wegwürfen. Die Tafel erhalte nur einen Bruchteil der überschüssigen Lebensmittel. Engpässe gebe es ständig bei Fleisch, Wurst und Molkereiprodukten. Durchschnittlich würden rund 2500 Menschen durch die Tafel in der Hansestadt unterstützt. Kopka schätzt, dass es doppelt so viele sein könnten, wenn mehr Geld zur Verfügung stünde.

Größte Herausforderung sei, Ehrenamtliche zu finden

Brühl spricht eher von einer Unterstützung statt Versorgung durch seine Organisation. „Tafeln sind keine Vollversorger, bei denen Menschen normal einkaufen können. Wir verstehen uns als ein ergänzendes Angebot und können nur das verteilen, was übrig bleibt.” Die größte Herausforderung sei, Ehrenamtliche zu finden. Denn Lebensmittelrettung sei ein schnelles Geschäft, sagt Brühl. „Fahrer für die Tafeln müssen sehr verlässlich sein und sind oft mehrere Stunden am Stück ab den frühen Morgenstunden unterwegs, um Lebensmittel einzusammeln.”

Eine wichtige Unterstützung für die Tafeln im Land seien deshalb Bundesfreiwillige, sogenannte Bufdis. Eine Verbesserung bei der Personalknappheit könnte das Programm des Bundesarbeitsministeriums zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit bringen.

In Mecklenburg-Vorpommern werden die Tafeln nicht durch öffentliche Gelder des Landes unterstützt. „Die Anschaffung von Kühlfahrzeugen sind klassische Aufgaben von Sponsoring oder Sondertöpfen. Die Bereitstellung von Lagerkapazitäten liegt im Aufgabenbereich der Kommunen im Rahmen der kommunalen Sozialplanung”, sagt der Sprecher des Sozialministeriums, Alexander Kujat.

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