Berthold Huber
Berthold Huber wechselt auf das Infrastrukturressort. Bernd von Jutrczenka/dpa
Verkehr

Neue Gesichter an der Bahnspitze – Konzern baut Vorstand um

In unruhigen Zeiten stellt die Deutsche Bahn ihre Führungsebene neu auf. Jünger und weiblicher werde der Vorstand, hieß es. Vor dem neu besetzten Gremium liegen schwierige Aufgaben.
dpa
Berlin

Einen Tag nach der angekündigten „Generalsanierung” des Streckennetzes hat die Deutsche Bahn ihr Führungsteam für die künftigen Aufgaben neu aufgestellt.

Der bisherige Personenverkehrsvorstand Berthold Huber wird ab dem 1. Juli auf das Infrastrukturressort wechseln, teilte die Bahn mit. Für seinen frei werdenden Posten rücken gleich zwei neue Mitglieder in den Vorstand nach: Hubers bisheriger Bereich Personenverkehr wird aufgeteilt in ein Regional- und ein Fernverkehrsressort.

Drei Frauen im achtköpfigen Führungsgremium

Um das Regionale kümmert sich künftig die bisherige Finanzchefin der Bahn-Tochter DB Fernverkehr, Evelyn Palla. Sie ist damit die dritte Frau im insgesamt dann achtköpfigen Führungsgremium. Der bisherige DB-Fernverkehrschef, Michael Peterson, soll sich im Vorstand dann um den Fernverkehr kümmern.

Der Aufsichtsrat hat der Neuaufstellung auf seiner Sitzung am Donnerstag zugestimmt. „Das Team DB steht – jünger und weiblicher als je zuvor”, teilte Bahnchef Richard Lutz mit. „Ich freue mich sehr, dass der Vorstand sofort an die Arbeit gehen kann.” Der Umbau war nach dem vorzeitigen Weggang des früheren Infrastrukturvorstands Ronald Pofalla nötig geworden, der inzwischen für einen Immobilienkonzern tätig ist.

Sanierung des Schienennetzes

Auf alle drei Vorstände kommen in den nächsten Jahren schwierige Aufgaben zu. Die Bahn ist so unzuverlässig unterwegs wie seit Jahren nicht mehr. Ein wesentlicher Grund dafür sind überlastete und sanierungsbedürftige Korridore. Am Dienstag erläuterte Konzernchef Lutz gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) das künftige Baukonzept für solche Strecken.

Von 2024 an sollen die wichtigsten Korridore generalsaniert werden, jedes Jahr zwei bis drei dieser Abschnitte. Dabei sollen gleich sämtliche anstehende Bauarbeiten und potenzielle Erweiterungen in einem Rutsch erledigt werden, so dass nicht über Jahre hinweg immer wieder entlang derselben Strecken gebaut werden muss. Noch sind viele Fragen offen, die der neue Infrastrukturvorstand Huber bald beantworten muss.

Für Huber als Nachfolger Pofallas hat sich unter anderem die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ausgesprochen. Sie sieht in ihm einen ausgemachten Bahnkenner und einen Garanten für einen integrierten Gesamtkonzern. Huber dürfte auch zuständig sein für das geplante gemeinwohlorientierte Unternehmen, zu dem die bisherigen Infrastrukturtöchter der Bahn ab 2024 zusammen gefasst werden sollen.

Kritiker wie die im Verband Mofair organisierten Bahnwettbewerber hingegen hatten sich angesichts der geplanten neuen Gesellschaft dafür stark gemacht, das Vorstandsressort Infrastruktur nicht neu zu besetzen.

© dpa-infocom, dpa:220623-99-773034/3

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