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Neuer Kult um Bob Dylans «Basement Tapes»

Neuer Kult um Bob Dylans «Basement Tapes»
Neuer Kult um Bob Dylans «Basement Tapes»

Sie sind  so etwas wie der Heilige Gral des Folkrock: Bob Dylans «Basement Tapes» - gut 100 Lieder, die er 1967 mit jungen Musikern (aus denen The Band wurde) bei Woodstock einspielte. Nun sind diese berühmten Sessions neu zu entdecken.

Und zwar gleich mehrfach: Als Komplett-Dokumentation auf sechs CDs (Box-Set «The Basement Tapes Complete» inklusive Fotobuch) oder als Standard-Edition auf zwei CDs («The Basement Tapes Raw» mit 56-seitigem Booklet). Oder aber mit einem brandneuen Album nachgewachsener Dylan-Verehrer wie Elvis Costello oder Marcus Mumford - sie vertonten unter Regie von Top-Produzent T Bone Burnett verschollene Songtexte des Meisters aus dessen legendärer «Basement Tapes»-Phase (Tribute-Album «Lost On The River: The New Basement Tapes»).

Gerade diese bei Universal erschienene Platte soll auch jüngere Hörer an eines der wichtigsten Ereignisse der Rock-Historie heranführen. Die Aufnahmen der prominent besetzten Fan-Band aus dem März 2014 in den Capitol-Studios von Hollywood erwecken die Dylan-Lyrics zum Leben, und man kann den Musikern wirklich nicht nachsagen, dass sie sich dabei keine Mühe gegeben hätten.

«Was während dieser zwei Wochen passiert ist, war für uns alle ein umwerfendes Erlebnis», sagt Burnett, der von Dylan selbst mit dem Projekt betraut worden war. Der große Songwriter habe allen Mitwirkenden damit «ein Geschenk gemacht und viel Vertrauen entgegengebracht».

Die Band und ihre Leadsänger - neben Costello und Mumford noch  Rhiannon Giddens von Carolina Chocolate Drops, Taylor Goldsmith von Dawes und Jim James von My Morning Jacket - geben ein gutes Dutzend Songs im Stil von Bob Dylan & The Band (mit deutlich erweitertem Pop-Anteil) zum besten, ohne dass es angestaubt oder gar peinlich anbiedernd klingt. Wie früher schon bei Billy Bragg & Wilco mit Songtexten von Woody Guthrie («Mermaid Avenue»), so geht auch dieses Experiment auf - keine Selbstverständlichkeit, wenn es um eine Art Heiligtum geht.

Was vor 47 Jahren in dem «Big Pink» genannten alten Haus in West Saugerties (US-Staat New York) geschah, kann man aber ohnehin nur mit den Original-Aufnahmen (erschienen bei Sony) nachvollziehen. Dylan und sein neues Quintett Robbie Robertson, Rick Danko, Richard Manuel, Garth Hudson und Levon Helm spürten im Keller (daher «Basement Tapes») den Ursprüngen der amerikanischen Musik (Folk, Blues, Country, Gospel, Ragtime etc) nach, sie spielten obskure Traditionals, Fremdkompositionen und jede Menge frische Dylan-Lieder wie «I Shall Be Released», «The Mighty Quinn» oder «This Wheel's On Fire».

Ein wahrer Kreativrausch, der die Rockmusik nachhaltig veränderte und nun erst in voller Pracht zu erleben ist. Auf «The Basement Tapes Complete» sind erstmals alle verwertbaren Aufnahmen des gesamten «Big Pink»-Materials von 1967 enthalten, aber auch ganz frühe Dylan-Bänder aus seinem damaligen Haus in der Nähe von New York. Ein großer Teil der Musik wurde erstmalig digital bearbeitet, das Tracklisting wurde chronologisch angelegt. Nicht nur nerdige Musik-Archäologen dürften hin und weg sein.