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Gewitterstürme hinterlassen Schneisen der Verwüstung

Unwetter haben die Hitze in Deutschland jäh beendet und Millionenschäden angerichtet. Besonders schlimm traf es den 1600-Einwohner-Ort Framersheim in Rheinland-Pfalz. Womöglich ein Tornado zog dort am Dienstagabend eine Schneise der Verwüstung.

«Es sah aus wie nach einem Bombenangriff», schilderte eine Anwohnerin am Mittwoch die Minuten nach dem Unwetter. Der Gewittersturm beschädigte bis zu 100 Häuser, einige Gebäude wurden fast völlig zerstört.

Nachdem bereits am Sonntag in Deutschland Bäume umstürzten und Keller vollliefen, brachten die schweren Gewitter nun zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage Abkühlung mit sich. Neben Framersheim wurden auch in anderen Regionen Tornados als Ursache für heftige Schäden vermutet, etwa in Sachsen-Anhalt. Im Seegebiet Mansfelder Land knickten drei Hochspannungsmasten um. 1800 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Faustgroße Hagelkörner zerstörten nach Polizei-Angaben Vor- und Garagendächer, Straßen wurden überflutet.

Auch in vielen Teilen Bayerns fiel in der Nacht zum Mittwoch zeitweise der Strom aus - mindestens 60 000 Haushalte waren betroffen. In Niederbayern zählte die Polizei zwischen 22 Uhr und 5 Uhr 120 Notrufe.

Störungen im Bahn- und Straßenverkehr gab es etwa in Baden-Württemberg. Auf der vielbefahrenen Autobahn 5 bei Heidelberg kam es zu starken Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume, von denen einige weit in die Fahrbahn hineinragten. Die Autobahn wurde mehrfach kurzzeitig gesperrt. Nach Angaben der Polizei gab es in Baden-Württemberg drei Verletzte.

Im niedersächsischen Ferienort Bad Sachsa im Südharz wirbelte ein Sturm auf einer 500 Meter breiten Schneise. «Das war unglaublich, welche Kräfte da gewirkt haben», sagte Augenzeuge Detlef Schulz, der auf einem Spaziergang von der Unwetterfront überrascht wurde. Neben ihm stürzten Bäume um, Dachteile wirbelten durch die Luft. Menschen wurden nicht verletzt. Die Feuerwehr schätzt den Sachschaden auf mehrere Hunderttausend Euro.

In Hessisch-Lichtenau richtete ein Blitzeinschlag der Polizei zufolge in einem Wohnhaus 150 000 Euro Schaden an. Ebenso hoch war der Schaden im niedersächsischen Harsum, wo ein Feuer den Dachstuhl eines Hauses zerstörte. Verletzt wurde niemand: Die Familie war im Urlaub.

Wie durch ein Wunder blieben auch die Anwohner in Framersheim bei dem schweren Sturm unverletzt. «Da hat Glück mitgespielt», sagte Ortsbürgermeister Ulrich Armbrüster. Offenbar seien die Menschen zur fraglichen Zeit alle im Haus gewesen. Der Sturm zog Augenzeugen zufolge sehr schnell auf. «Da waren wir plötzlich eingehüllt wie in einer Nebelwand», berichtete Armbrüster.

Der Schaden wurde am Mittwochmorgen auf rund fünf Millionen Euro beziffert. Die Spanne reiche von einzelnen weggeflogenen Dachziegeln über abgerissene Dächer bis hin zu teilweise oder komplett eingestürzten Gebäuden.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung sicherte ihre Unterstützung zu. «Wir sind erleichtert, dass bei dem Unwetter niemand schwer verletzt wurde», teilten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) mit. «Allerdings: Die Bilder der Zerstörung sind erschreckend.»

Ob ein Tornado oder eine extreme Fallböe in dem Ort gewütet hat, stand am Tag danach nicht fest. «Es kann beides gewesen sein», sagte Andreas Friedrich, der Tornadoexperte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Vorerst werde der Sturm in Framersheim als Verdachtsfall geführt.

Auch in Tschechien und Polen wüteten Unwetter. Ein Mann kam im Südwesten Polens ums Leben, als ein Baum auf sein Auto stürzte, teilte der Rettungsdienst am Mittwoch mit. Die Feuerwehr musste in der Region fast 500 Mal ausrücken, um umgestürzte Bäume zu entfernen und vollgelaufene Keller auszupumpen.

Für den Südosten und den Norden warnte der DWD am Mittwoch noch vor einzelnen Gewittern, teils mit Sturmböen. Ansonsten beruhigte sich das Wetter. An diesem Donnerstag sollen sich im Südwesten vermehrt heitere Abschnitte durchsetzen - laut Vorhersage bleibt dort trocken. «Die Tageshöchsttemperaturen erreichen in der Nordhälfte 16 bis 19 Grad, Richtung Süden 20 bis 25 Grad», hieß es von den Meteorologen.