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Ottfried Fischers Orakel und das Tief der Privaten

Ottfried Fischers Orakel und das Tief der Privaten
Ottfried Fischers Orakel und das Tief der Privaten
Henning Kaiser

Es war schon weit nach Mitternacht, Ottfried Fischer saß am speziell für ihn eingerichteten Tisch des Ehrenpreisträgers, der Kragenknopf längst geöffnet, die Fliege auf halb acht.

Entspannt wirkte der 59-jährige Schauspieler, der gerade am Mittwochabend in Köln den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk in Empfang genommen hatte.

«Mir geht's gut», sagte Fischer, der vor gut fünf Jahren seine Parkinson-Erkrankung publik gemacht hatte, nach der Gala für den 15. Deutschen Fernsehpreis. «So gut, dass die meisten, die mich kennen, sich wundern, wie gut es mir geht.» Der bayerische Kabarettist schmiedet trotz Krankheit längst wieder neue Pläne. Fantasie hat er. Auch Orakel-Qualitäten.

Er werde ein neues Bühnenprogramm präsentieren und auch eine neue TV-Kabarettsendung sei geplant, verriet er der Nachrichtenagentur dpa, voraussichtlich sogar bei einem Privatsender. Eine halbstündige Show mit drei Leuten: ihm, einem Menschen aus der philosophischen Ecke und einem aus der aktuellen. Neuer Optimismus bei Fischer, der gerade seinen letzten Fall aus der ARD-Reihe «Pfarrer Braun» dreht.

Noch zwei Stunden zuvor war er ganz der Kabarettist, als er den gläsernen Obelisken fürs Lebenswerk entgegennahm: «Ich nehme diesen Preis nicht an» - für einen Augenblick herrschte da Stille unter den 1300 Gästen im Kölner Coloneum, bis Fischer nachschob: «Eine Pointe!» Vor fünf Jahren hatte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki mit dieser Bemerkung die Auszeichnung abgelehnt, weil ihm viele TV-Sendungen, die an jenem Abend prämiert wurden, nicht passten.

Doch Fischer nahm den Preis natürlich an. Er sagte, dass er aus der Gegend von Passau stamme. Die Stadt habe mit dem Fernsehen gemeinsam, dass ihr häufiger das Wasser bis zum Hals stehe. Er erzählte noch ein paar Anekdoten aus der Heimat und trug ein Gedicht über Venedig vor.

Fischer war ein Gewinner des Deutschen Fernsehpreises - die Verlierer waren die Privatsender. Von den 16 Preisen in sämtlichen Kategorien wanderte nur der Preis für die Beste Show an einen Privatsender: «Got to Dance», von ProSieben und Sat.1 übertragen, gewann unter anderem gegen «Let's Dance» (RTL). Ein RTL-Mitarbeiter sagte mit leichter Ironie und einem Glas Weißwein in der Hand: man müsse sich zum Thema Preise erstmal einen Überblick verschaffen. «Wir sind mit dem Zählen noch nicht durch...»

Die wichtigen Auszeichnungen gingen ans öffentlich-rechtliche Fernsehen: Susanne Wolff ist Deutschlands Beste Schauspielerin, Matthias Brandt Deutschlands Bester Schauspieler. Wolff, Jahrgang 1973, wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis für ihre Leistung im ARD-Drama «Mobbing» geehrt. Wolff sagte nach der Laudatio von Schauspieler-Kollegen Henning Baum: «Mein Herz rast schon seit 3 Uhr heute. Es waren schöne drei Wochen, seitdem ich von der Nominierung weiß.»

Der 51-jährige Brandt erhielt die Auszeichnung für seine Leistungen in den TV-Filmen «Polizeiruf 110: Der Tod macht Engel aus uns allen», «Polizeiruf 110: Fieber», «Eine mörderische Entscheidung» und «Verratene Freunde». Brandt sagte, er nehme «einen Preis entgegen, den es eigentlich nicht gibt. In der Reihe dieser Nominierten schon gar nicht», angesichts der namhaften Konkurrenz.

Das ARD-Drama «Operation Zucker» wurde zum besten Fernsehfilm gekrönt. Die Geschichte um die Zwangsprostitution rumänischer Kinder in Deutschland behauptete sich gegen «Der Fall Jakob von Metzler» (ZDF) und «Der Minister» (Sat.1). «Ich freue mich, dass es den Mut gibt, solch radikale Filme zu machen», sagte Produzentin Gabriela Sperl. «Und ich hoffe, dass nach der Wahl die Politiker sich für Kinder und gegen Prostitution einzusetzen.»

Als Bester Mehrteiler gewann die ZDF-Produktion, «Unsere Mütter, unsere Väter» gegen den ARD-Zweiteiler «Der Turm» und gegen das ZDF-Epos «Das Adlon. Eine Familiengeschichte». Überraschend bekam auch das umstrittene ZDFneo-Experiment «Auf der Flucht», von internationalen Hilfsorganisationen kritisiert, einen Preis als Beste Doku/Dokutainment. Die RTL-II-Reihe «Berlin - Tag & Nacht» ging leer aus.

Sat.1 zeigt die von Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher moderierte Gala am Freitag um 22.15 Uhr.