Unsere Themenseiten

Pechstein: Gericht rügt CAS-Entscheid und nimmt Klage an

Pechstein: Gericht rügt CAS-Entscheid und nimmt Klage an
Pechstein: Gericht rügt CAS-Entscheid und nimmt Klage an
Andreas Gebert

Das Oberlandesgericht München hat am Donnerstag die Klage von Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein gegen den Eislauf-Weltverband ISU angenommen.

Das Gericht erklärte die 2009 getroffene Schiedsvereinbarung von Pechstein mit dem Sportverband für unwirksam und erkennt die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS zur ihrer Sperre nicht an.

Der CAS war am 25. November 2009 dem Urteil des Weltverbandes ISU gefolgt und hatte die Zwei-Jahres-Sperre Pechsteins wegen schwankender Blutwerte ohne Doping-Beweis bestätigt. In dem Münchner Schadenersatzprozess hat die 42 Jahre alte Berlinerin die ISU auf 4,4 Millionen Euro verklagt. Pechstein hat Doping stets bestritten und führt eine geerbte Blutanomalie als Grund für ihre Blutwerte an.

Das Pechstein-Urteil kann von großer Tragweite für die deutsche und internationale Sportgerichtsbarkeit sein. Der Eislauf-Weltverband ISU geht nach der Niederlage in Revision, bestätigte ISU-Anwalt Christian Keidel. «Wir halten das Urteil nach wie vor für falsch», sagte Keidel. Er erklärte, es habe den Anschein, dass er vor dem Gericht mehr den Sportgerichtshof CAS als den Eislauf-Weltverband verteidigen musste.

Pechstein feierte das Urteil. «Es ist ein großer Tag für mich. Dieser Sieg ist mehr wert als alle Olympiamedaillen zusammen», sagte die 42 Jahre alte Hauptstädterin. «Die ISU-Betrüger haben mir alles genommen. Aber es ist jetzt nicht zu Ende. Mich freut es, dass die ISU jetzt handeln und Beweise auf den Tisch legen muss», sagte Pechstein. «Wir haben einen Sieg errungen, der Sportrechtsgeschichte schreibt. Der CAS muss jetzt grundlegend reformiert werden», erklärte ihr Münchner Anwalt Thomas Summerer.

Sollte auch der BGH dem Urteil des Oberlandesgerichts folgen, würden künftig Sportler ein Wahlrecht zwischen Sportgerichtsbarkeit und ordentlichen Gerichten erhalten.

Erst nach dem BGH-Urteil wird vor dem Oberlandesgericht über die finanziellen Forderungen von Pechstein verhandelt. Die ISU müsste dann der Athletin Doping nachweisen. Vor den Sportgerichten hatte sie bisher ihre Unschuld beweisen müssen und war damit gescheitert.