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Porträt: Die ruhige Stimme der Münchner Polizei

Porträt: Die ruhige Stimme der Münchner Polizei
Porträt: Die ruhige Stimme der Münchner Polizei
Lukas Schulze

Kameras und Mikrofone - den zweiten Tag in Folge richten sie sich auf Marcus da Gloria Martins. Souverän, sachlich, wortgewandt und ohne das geringste Zeichen von Anspannung steht er Rede und Antwort.

Fast ohne Pause war er seit Freitagabend in Medien aus ganz Deutschland und vielen anderen Ländern präsent. «Unsere Gedanken sind bei den Familien der Opfer», beendet er kurz vor 3.00 Uhr am frühen Samstagmorgen eine Pressekonferenz im Polizeipräsidium, wenige Stunden später geht es weiter.

Ermüdung? Nicht zu sehen. «Wichtig ist mir der Aspekt, dass man Ruhe bewahren sollte.» Der Pressesprecher der Münchner Polizei gibt dabei selbst ein perfektes Vorbild. «Mir bleibt ja nichts anderes übrig», meint er, räumt aber ein: Dieser Einsatz nach den tödlichen Schüssen am Freitagabend sei die absolute Ausnahme - im Leben eines Polizeibeamten, aber auch für die Stadt München.

«Ihre Präsenz strahlte Ruhe und Besonnenheit aus, die mir das Gefühl von Sicherheit in diesen scheußlichen und traurigen Minuten gab. Hochachtung und Respekt», schreibt jemand auf Facebook, ein anderer postet, der Sprecher habe es geschafft, «ein ganzes Land zu beruhigen». Für da Gloria Martins gibt es schon eine eigene Fanseite, bis zum Samstagnachmittag haben fast 33 000 Menschen auf «gefällt mir» gedrückt.

«Auf dem Nachhauseweg hab ich erst festgestellt, dass es diese Facebookseite gibt», sagt der Polizeisprecher. Der Trubel sei ihm peinlich. Es sei zwar schön, Lob zu bekommen, aber: «Es geht nicht um meine Person.» Ohne sein Team hätte es diese Öffentlichkeitsarbeit nicht gegeben. «Ja, ich bin das Gesicht gewesen, stimmt. Aber die Leistung liegt nicht bei mir.» Und er verweist auf die 2300 Einsatzkräfte, die in der Nacht auf Münchens Straßen die Sicherheit gewährleistet hatten.

Marcus da Gloria Martins, 43, Familienvater, zwei Kinder. Portugiesische Wurzeln. Aufgewachsen im Rheinland. Nach München gekommen: «der Liebe wegen». Erst seit Oktober vergangenen Jahres leitet da Gloria Martins die Pressestelle. Polizeipräsident Hubertus Andrä ist zufrieden: «Der Präsident hat die Aufgabe, die fähigsten Köpfe auszuwählen» - und das sei hier ausdrücklich gelungen.

Da Gloria Martins hat die Präsenz der Münchner Polizei auf Facebook und Twitter vorangebracht. Die Beamten punkten mit ihrer lockeren Art in den sozialen Medien. Dutzende Tweets in vier Sprachen haben seine Leute in der Nacht auf den Weg gebracht, mahnend, informativ. Nun wird die Münchner Polizei für ihren Einsatz auf der ganzen Welt gelobt.

Kaum ein Vierteljahr im Amt hatte da Gloria Martins den ersten Terroreinsatz zu bewältigen: An Silvester gab es einen Terroralarm am Münchner Hauptbahnhof. Binnen kürzester Zeit startete ein Großeinsatz - damals gab es aber keinen Anschlag.

Dieses Mal war es ernst. Auf dem Weg ins Büro nach den ersten Notrufen am Freitag habe er Menschen in der Fußgängerzone in Panik laufen sehen. «Da weiß man, was Angst mit Menschen macht.»

Trotzdem: Traumjob Polizist? «Mittlerweile: ja», sagt er. Anfangs habe ihn das Geld gelockt, «und die Aussicht, nach der Ausbildung vielleicht doch das zu studieren, was mich interessiert. Allerdings habe ich relativ schnell erkannt, dass Geschichte ein brotloses Gewerbe ist.» Es habe dann sehr schnell angefangen, «richtig Spaß zu machen». «Und jetzt habe ich 23 Jahre auf der Uhr. So schnell geht das.»

Da Gloria Martins war im Rauschgiftbereich, als ziviler Fahnder, Dienststellenleiter bei der Verkehrspolizeiinspektion und als einfacher Streifenpolizist unterwegs. «All das hatte in der jeweiligen Funktion seinen Charme», sagt er. «Wenn Sie mir vor zwei oder drei Jahren gesagt hätten, dass ich irgendwann mal für die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei München verantwortlich bin, hätte ich Sie vermutlich ausgelacht.»

Der Sonntag soll nun, wenn möglich, der Familie gehören - die sich am Freitag auf ein gemeinsames Wochenende gefreut hatte. «Meine Kinder waren ziemlich enttäuscht, dass ich ziemlich spontan wegmusste.»