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Protestwelle gegen Brasiliens Präsidentin

Protestwelle gegen Brasiliens Präsidentin
Protestwelle gegen Brasiliens Präsidentin
Georg Ismar

Wegen der tiefgreifenden Korruptionsaffäre fordern viele Brasilianer eine Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff. Am Sonntag versammelten sich in zahlreichen Städten Bürger zu den größten Protestkundgebungen seit April.

Die Veranstalter rechneten mit mehreren hunderttausend Teilnehmern in bis zu 200 Städten des fünftgrößten Landes der Welt. In Rio de Janeiro forderten sie auf Plakaten, dass Rousseff und Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva ins Gefängnis sollen. «Raus mit Dilma und der Arbeiterpartei», stand auf anderen Transparenten. Laut Umfragen sind 66 Prozent der Brasilianer für eine Ablösung, obwohl Rousseff bis 2018 gewählt ist.

Die Menschen sangen die Nationalhymne, schwenkten Brasilien-Flaggen, ein Demonstrant forderte lautstark ein Eingreifen des Militärs, um Rousseff aus dem Amt zu jagen, während direkt daneben fast genauso viele Menschen sich am Strand der Copacabana sonnten. Aufgerufen zu den Kundgebungen hatte unter anderem das Bündnis «Movimento Brasil Livre», aber auch Vertreter der Mitte-Rechts-Opposition unterstützen die Proteste. Gründe sind die politische und ökonomische Krise sowie der milliardenschwere Korruptionsskandal, in den auch die seit 2003 regierende Arbeiterpartei involviert ist - aber auch andere Parteien.

Bei überhöhten Abschlüssen für Bauaufträge sollen diverse Politiker Provisionen kassiert haben. Der ebenfalls der Korruption verdächtigte Eduardo Cunha, Präsident des Abgeordnetenhauses und führender Kopf ihres wichtigsten Koalitionspartner PMDB, fühlt sich wegen der Vorwürfe ungerecht behandelt und arbeitet gegen Rousseff. Die politische Blockade erschwert den Abschluss eines Sparpakets und von Strukturreformen. Gesunkene Rohstoffpreise schwächen zudem die Wirtschaftsleistung, der Konsum ist stark eingebrochen, die Inflation kletterte auf fast zehn Prozent binnen eines Jahres. Dadurch ächzen die Bürger im 200-Millionen-Einwohner-Land unter steigenden Preisen.