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Prozess zum Zugunglück von Viareggio beginnt mit Protesten

Begleitet von Protesten der Opferfamilien hat in der toskanischen Stadt Lucca am Mittwoch der Prozess um das Zugunglück von Viareggio begonnen.

Vor dem Gericht versammelten sich Angehörige der 32 Toten, sie trugen Fotos und Spruchbänder mit sich. «Viareggio, 29 Juni. Nichts wird mehr sein wie vorher», war darauf zu lesen und: «Einschnitte bei der Sicherheit waren eine Entscheidung, 32 Tote eine vorhersehbare Konsequenz.»

Unter den 33 Angeklagten sind Manager der italienischen Staatsbahn und von Firmen, die mit den Kontrollen der Waggons zu tun hatten. Ihnen wird unter anderem fahrlässige Tötung und Auslösung einer Brandkatastrophe vorgeworfen. Mehrere von ihnen sollen auch Sicherheitsnormen verletzt haben. Zum Prozessauftakt kamen nur vier Angeklagte, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Auch der Chef der Staatsbahn, Mauro Moretti blieb der Verhandlung fern. Seine Rechtsanwälte gaben als Grund an, es gehe zunächst ohnehin nur um technische Fragen.

Der Vertreter der Opferfamilien, Daniela Rombi, kritisierte, dass Moretti auch nach dem Unglück und trotz der Anklage weiter Chef der Staatsbahn blieb. «Das ist eine Linie, die wir ablehnen und nicht akzeptieren.»

Mitten in Viareggio war am späten Abend des 29. Juni 2009 ein mit Flüssiggas beladener Zug entgleist. Einige Tankwagen kippten dabei um, einer brach auf. Das Gas explodierte und verwüstete ein Stadtviertel in Bahnhofsnähe. Häuser stürzten ein, Autos gingen in Flammen auf. Zahlreiche Bewohner verloren ihr Obdach. Unfallursache war möglicherweise ein Riss an einem Rad.