Proteste nach Tod von Mahsa Amini
Demonstranten schmeißen während eines Protestes gegen den Tod einer jungen Frau, Steine auf Polizeieinheiten. Der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini im Polizeigewahrsam hatte landesweit Trauer und Empörung ausgelöst. Uncredited/AP/dpa
Nach Protesten

Reformlager stemmt sich im Iran gegen Regierungskurs

Nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini im Polizeigewahrsam reißen die Proteste im Iran nicht ab. Kritische Töne gibt es sogar vom Enkel des Revolutionsgründers Ajatollah Ruhollah Chomeini.
dpa
Teheran

Im Iran häufen sich nach den landesweiten Protesten um den Tod einer jungen Frau Stimmen, die eine Lockerung der strengen Kleidungsvorschriften und damit einen Kurswechsel der Regierung fordern. „Ein Gesetz, das die Mehrheit der Gesellschaft nicht befolgt, muss revidiert werden”, sagte der ehemalige Bürgermeister der Hauptstadt Teheran und Herausgeber der Tageszeitung „Ham Mihan”, Gholam Hussein Karbastschi (69), in einem Interview am Mittwoch.

Elias Hasrati, ehemaliger Abgeordneter und Chef der Zeitung „Etemad” forderte in einem Schreiben an Präsident Ebrahim Raisi die sofortige Auflösung der Sittenpolizei-Einheiten. Auch der ehemalige Präsident Mohammed Chatami hatte Kritik geäußert. Sogar der Enkel des Revolutionsgründers Ajatollah Ruhollah Chomeini hatte sich kritisch geäußert und eine Untersuchung gefordert.

Polizist bei Protesten getötet

Bei landesweiten Protesten nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini ist ein Polizist getötet worden. Vier weitere Sicherheitskräfte wurden bei Zusammenstößen mit Demonstranten in der Millionenstadt Schiras verletzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna am Mittwoch berichtete. In der nordöstlichen Pilgerstadt Maschhad sei zudem ein Polizist angezündet worden, bevor ihm Demonstranten mit Feuerlöschern zur Hilfe eilten, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim.

Auslöser der Proteste im Iran ist der Tod von Mahsa Amini im Polizeigewahrsam. Auch am Dienstag gingen wieder Tausende Menschen in zahlreichen Städten auf die Straßen. Die junge Frau war vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen ihres „unislamischen Outfits” festgenommen worden. Was genau danach geschah ist unklar, jedenfalls fiel Amini ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück. Die Regierung ordnete eine Untersuchung an.

© dpa-infocom, dpa:220921-99-844231/2

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