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Report: CSU im Freudenrausch

Report: CSU im Freudenrausch
Report: CSU im Freudenrausch
Michael Kappeler

Die Wahlsieger haben Mühe, die Bühne zu erklimmen. Im CSU-Fraktionssaal des bayerischen Landtags ist das Gedränge so groß, dass mehrere Spitzenleute im Gewühl stecken bleiben oder in Gefahr geraten, umgeschubst zu werden.

Sozialministerin Christine Haderthauer gerät kurzfristig ins Wanken. Doch schließlich erreicht Parteichef Horst Seehofer die Bühne. Und er hat eine für die CSU ebenso erfreuliche wie einfache Botschaft: «Das ist ein großartiger Wahlerfolg», sagt Seehofer. «Wir sind wieder da.» Der Jubel ist grenzenlos.

CSU-Politiker sind in dem ebenso überfüllten wie brütend heißen Saal in der Minderheit, so viele Medienvertreter aus aller Welt sind gekommen. Es werden zwar Fleischpflanzerl (andernorts Frikadellen genannt) und geräucherte Forellen serviert. Aber im Saal ist es so voll, dass niemand einen Teller halten kann. Doch das beeinträchtigt die Glücksgefühle nicht weiter. Bundesagrarministerin Ilse Aigner, die jetzt in die Landespolitik wechselt, herzt und küsst vor lauter Freude Parteifreunde. CSU-ler haben das Gefühl, mit der Rückeroberung der absoluten Mehrheit eine historische Stunde zu erleben - eine Wiederauferstehung.

«Das Ergebnis ist sensationell», schwärmt der langjährige CSU-Vordenker Alois Glück, heute Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. «Das gibt der CSU ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland und Europa.» Ähnliche Wahlergebnisse hole sonst nur die Südtiroler Volkspartei, stellen einige in der CSU fest - wobei ganz Südtirol aber nicht einmal halb so viele Einwohner hat wie die Landeshauptstadt München.

Auch Seehofers Amtsvorgänger Günther Beckstein ist gekommen, der nach dem Wahldebakel 2008 als Ministerpräsident zurücktreten musste und durch Seehofer ersetzt wurde. Nun zollt Beckstein seinem Nachfolger Respekt: Die Opposition habe im bayerischen Wahlkampf kein einziges Thema gesetzt. «Das ist auch Ergebnis einer starken Führungsleistung. Und dass Seehofer auch im Sieg ein nüchterner, bodenständiger Mensch bleibt, da bin ich mir sicher.

Und Erwin Huber - als Becksteins einstiger Tandempartner Seehofers Vorgänger als Parteichef - erkennt freimütig an, dass Seehofers innerparteiliche Autorität nun gestärkt sei.

Weder Glück noch Beckstein oder Huber sind Freunde Seehofers - sie zählen zu denjenigen, die Seehofer gerne als «das Lazarett» bezeichnet - die Schar ehemaliger CSU-Schwergewichte, die im Politikbetrieb schwere Verletzungen erlitten haben. Doch im Augenblick des Triumphs scheinen alle Verletzungen geheilt.

Und alle sind sich einig, dass es der CSU gelingen wird, bescheiden zu bleiben: «Wir waren fünf Jahre lang im Fegefeuer», sinniert der frühere bayerische Justizminister Alfred Sauter. «Da wird man nicht so schnell wieder übermütig.» Doch ähnliche Schwüre der Bescheidenheit gab es auch, als der heutige Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber vor zehn Jahren eine zwei-Drittel-Mehrheit holte.