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Report: Ärzte kämpften mit aller Kraft - aber vergeblich

Seuchenexperten in Leipzig haben den Kampf um das Leben eines Ebola-Kranken aus Afrika verloren. Der Sudanese soll eingeäschert werden. Seine Religion verbietet das eigentlich.

Wie aufwendig die Betreuung des Leipziger Ebola-Patienten war, lässt sich anhand weniger Zahlen ablesen: 20 bis 30 benutzte Einweg-Handschuhe pro Stunde, bis zu 100 verbrauchte Spezial-Schutzanzüge am Tag.

Seit Donnerstag kämpften Ärzte um das Leben eines Mannes aus Afrika. Vergeblich. Der 56 Jahre alte UN-Mitarbeiter starb in der Nacht zum Dienstag auf der Sonderisolierstation des Klinikums St. Georg.

Der Sudanese war der dritte Ebola-Patient aus Afrika, der in Deutschland behandelt wurde. Und der erste, der in der Bundesrepublik an dem Virus starb.

«Trotz der intensiven medizinischen Betreuung und den höchsten Anstrengungen der Ärzte und Pfleger konnte der Tod nicht verhindert werden», erklärte Iris Minde, Geschäftsführerin des Krankenhauses. Der Erkrankte sei seit seiner Ankunft am 9. Oktober rund um die Uhr auf der Sonderisolierstation der Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin versorgt worden. Mindestens sechs Mitarbeiter seien pro Schicht im Einsatz gewesen.

Schon als der 56-Jährige am vorigen Donnerstag mit einem Spezialflugzeug aus Liberia nach Leipzig geflogen worden war, hatten die Mediziner seine Überlebenschancen nicht einschätzen wollen. «Der Patient befand sich bereits bei seiner Ankunft in einem sehr kritischen Zustand und erhielt am Klinikum eine lebensstabilisierende Behandlung», erklärte das St. Georg. Weitere Angaben - auch zu den Umständen das Todes - wollten die Mediziner nicht machen. Sie verwiesen auf die ärztliche Schweigepflicht.

Das Ebola-Virus zählt zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und ein Schwächegefühl, später werden Organe geschädigt. Die Leipziger Ärzte hatten mitgeteilt, zunächst Nieren und Leber des Patienten unterstützen und seinen Kreislauf stabilisieren zu wollen. Es gibt bislang keine zugelassenen Medikamente gegen die Krankheit.

Während der Epidemie in Westafrika haben Krankenhäuser in den USA und Europa mehrfach Patienten aufgenommen. Fast immer waren es Bürger des jeweiligen Landes - in Deutschland bisher immer Patienten afrikanischer Herkunft. Einige konnten die Klinik gesund wieder verlassen. Für andere kam die Hilfe zu spät: In Spanien starben zwei Geistliche, in den USA ein weiterer Mann.

Der Tote in Leipzig soll nun unverzüglich eingeäschert werden. Allerdings war der Sudanese Muslim. «Das macht es nicht leichter, weil der Islam eine Feuerbestattung nicht vorsieht», sagte der Sprecher der Stadt. In diesem Extremfall gingen Sicherheit und Seuchenschutz allerdings vor.

Das Klinikum St. Georg muss nun zur Normalität zurückkehren. Alle verwendeten Materialen - die Einweghandschuhe, die Schutzanzüge - sind Sondermüll und müssen erst desinfiziert und dann sicher entsorgt werden. Die Räume der Seuchenstation müssen aufwendig desinfiziert werden.

«Es wird zuerst gründlich ausgewischt, und dann mit Formalin begast. Das macht aber keine normale Putzstaffel, sondern speziell geschulte Desinfektoren», sagte Tropenmediziner August Stich. Er ist Sprecher des RKI-Arbeitskreises (STAKOB) der bundesweit sieben Kompetenz- und Behandlungszentren für hochansteckende Krankheiten, zu denen auch das St. Georg zählt.

Ein besonderes Augenmerk liegt jetzt auf dem Klinikpersonal. Schwestern und Ärzte hätten einen hohen Aufwand betrieben, um eine Ansteckung von Patient zu Pfleger wie in Madrid oder den USA zu vermeiden. Auch nach dem Tod des Patienten wird das Personal nach Klinikangaben «kontinuierlich gesundheitlich überwacht».