ZWEI TAGE VOR LANDTAGSWAHL

Rot-Rot-Grün schwächelt – Wahlkampffinale in Thüringen

Kurz vor der Landtagswahl in Thüringen zeichnet sich nach Umfragen eine schwierige Regierungsbildung ab.
dpa
Bodo Ramelow
Verliert Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) die Mehrheit? 1,73 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag zur Landtagswahl aufgerufen. Foto: Martin Schutt/zb/dpa
Erfurt.

Die rot-rot-grüne Koalition von Deutschlands einzigem Ministerpräsidenten der Linken, Bodo Ramelow, könnte danach ihre knappe Mehrheit verlieren. Eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-Politbarometer sieht Rot-Rot-Grün bei 44 Prozent.

Die Linke kommt dabei als stärkste Partei auf 28 Prozent, ihre Koalitionspartner SPD und Grüne auf 9 beziehungsweise 7 Prozent. Auch eine CDU-Regierung mit SPD, Grünen und der um 5 Prozent schwankenden FDP hätte danach keine Mehrheit. Linke, SPD und FDP wollten am Freitag ihren Wahlkampf abschließen. Am Sonntag sind 1,73 Millionen Thüringer aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. 2014 hatte die Wahlbeteiligung nur bei 52,7 Prozent gelegen.

Die CDU, die mehr als zwei Jahrzehnte in Thüringen regiert hat, kommt nach der ZDF-Umfrage auf 26 Prozent und würde ihre Rolle als stärkste Partei verlieren. Die AfD, die in Thüringen vom Wortführer des rechtsnationalen Flügels Björn Höcke geprägt wird, bekäme laut Forschungsgruppe Wahlen 21 Prozent. Im Gegensatz zu den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg vor zwei Monaten zeichnete sich in Thüringen früh ab, dass die AfD deutlich hinter der Partei des Ministerpräsidenten liegt.

Ramelow warf der AfD vor, sich zu Unrecht als Anwalt ostdeutscher Belange zu stilisieren. Die Partei mache 30 Jahre nach dem Mauerfall Wahlkampf mit Slogans wie „Die Wende vollenden”, dabei stünden im Landesverband Westdeutsche wie Höcke an der Spitze, sagte Ramelow am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin”. „Die AfD maßt sich an, die Kümmererpartei zu sein. Sie ist aber eine Partei, die nichts kennt außer Empörung.”

CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring warnte vor einem Auseinanderdriften der Gesellschaft. „Eine neue Regierung hat genau diese Aufgabe: Das Land zusammenzuhalten”, sagte Mohring am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin”. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass „Angst und Hass und Einschüchterung” gewinnen. Mohring, aber auch Politiker anderer Parteien, hatten Morddrohungen erhalten.

Viele Thüringer gaben bereits vor dem Wahlsonntag ihre Stimme ab. Mehr als jeder achte Wahlberechtigte (13,2 Prozent) habe bisher Briefwahlunterlagen angefordert, teilte Landeswahlleiter Günter Krombholz mit. Das seien deutlich mehr als zum gleichen Zeitpunkt bei der Wahl vor fünf Jahren mit einem Anteil von 10,1 Prozent. Bis vergangenen Mittwoch hätten rund 174.000 Wähler die Unterlagen an ihre Gemeinde zurückgeschickt oder dort abgegeben.

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