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Schneeberg wehrt sich gegen Fremdenfeindlichkeit

Schneeberg wehrt sich gegen Fremdenfeindlichkeit
Schneeberg wehrt sich gegen Fremdenfeindlichkeit
Hendrik Schmidt

Die sächsische Stadt Schneeberg wehrt sich gegen fremdenfeindliche Töne in der Flüchtlings- und Asyldebatte. Am Samstagabend versammelten sich bei Gegendemonstrationen mehr als 2000 Menschen in der Erzgebirgsstadt, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.

In den vergangenen Wochen hatte es dort unter der Regie der rechtsextremen NPD mehrere Demonstrationen gegen ein Asylbewerberheim gegeben.Auch am Samstag erhielt die von einem Rechtsextremisten als Privatperson angemeldete Kundgebung auf dem Schneeberger Marktplatz Zulauf von etwa 1500 Menschen. Zu Protesten gegen eine Vereinnahmung der Stadt durch Rechte hatte dagegen eine Initiative «Schneeberg für Menschlichkeit» aufgerufen.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) warnte vor der NPD. «Wenn sie an der Macht wäre, würde der eine oder andere von uns Asyl brauchen, weil wir dann Verfolgte wären», sagte er vor mehr als 1000 Menschen in Rufweite zur jener Kundgebung, die auf Betreiben der NPD auf dem Marktplatz stattfand.

Ulbig sagte auch, dass man die Einwohner von Städten mit Unterkünften für Asylbewerber mit Sorgen und Fragen nicht allein lassen dürfe. Der Innenminister ist für eine Beschleunigung des Asylverfahrens auf drei Monate und verlangt eine Ablehnung jener Bewerber, die Straftaten begangen haben.

An einem anderen Zugang zum Markt protestierten zeitgleich rund 1000 Demonstranten diverser Antifa-Gruppen aus ganz Deutschland gegen Rechtsextremismus. Vom Marktplatz selbst wurde der Ruf nach einem Bürgerentscheid zur Unterbringung von Asylbewerbern in Schneeberg laut. Die Polizei hatte die verschiedenen Kundgebungen mit einem Großaufgebot an Beamten strikt getrennt, so dass es bis zum Abend in der Kleinstadt ruhig blieb.

In Schneeberg war im August eine frühere Bundeswehrkaserne zu einer Außenstelle der zentralen Erstaufnahme von Asylbewerbern in Sachsen hergerichtet worden. Ein vermehrter Flüchtlingsstrom hatte zuvor die Zentrale in Chemnitz überfordert, so dass Betroffene wochenlang in Zelten und Container hausen mussten. In Sachsen leben derzeit etwa 5000 Asylbewerber, der Ausländeranteil lag Anfang dieses Jahres nur bei 2,2 Prozent.