DUTZENDE VERLETZTE

Schwere Explosion am Hafen von Beirut

Der Libanon steckt in einer seiner schwersten Krisen. Inmitten politischer Turbulenzen kommt es am Hafen von Beirut zu einer Explosion. Auf den Straßen spielen sich dramatische Szenen ab.
dpa
Schwere Explosion in Beirut
Sicherheitsleute laufen zum Ort der Explosion im Hafen von Beirut, während über dem Gebäude Rauch aufsteigt. Foto: Hussein Malla/AP/dpa
Überall Trümmer
Zwei Männer stehen an einer mit Trümmern übersäten Straße. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
Rauchwolke
Eine Rauchwolke steht nach der Explosion am Himmel über Beirut. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
Schwere Explosion
Menschen laufen nach der Explosion über eine von Trümmern übersäte Straße. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
Umgekippt
Von der Wucht der Explosion sind Autos umgekippt worden. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
Beirut.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut hat sich am Dienstag eine schwere Explosion mit Dutzenden Verletzten ereignet. Über der Stadt stieg eine riesige Rauchwolke auf.

Eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete von einer starken Erschütterung im Zentrum und von großen Schäden. Durch die Wucht der Explosion, die sich am Hafen der Küstenstadt ereignete, gingen Fenster zu Bruch. Einige Straßen waren mit Trümmern und Glasscherben übersät.

Über die Zahl der Opfer herrschte zunächst Unklarheit. Das libanesische Rote Kreuz war mit 30 Teams im Einsatz und teilte mit, Dutzende Menschen seien verletzt worden. Augenzeugen berichteten von Leichen auf den Straßen. Eine offizielle Bestätigung für mögliche Todesopfer gab es am Abend zunächst nicht. Anwohner berichteten der dpa von zwei aufeinanderfolgenden Explosionen.

Die libanesische Armee half dabei, Verletzte in Krankenhäuser zu bringen. Bürger wurden aufgerufen, Blut zu spenden. Im Internet kursierten Fotos von zerstörten Fenstern an Wohnhäusern und Trümmern auf den Straßen. Dutzende Autos wurden beschädigt. Ein Polizist sagte, die Schäden erstreckten sich kilometerweit. Kurz nach der Explosion fielen Telefon und Internet in der Stadt aus. „Wir saßen in unserem Wohnzimmer, und plötzlich fielen uns die Wand und Glas auf den Kopf”, sagte ein Anwohner namens Rumi.

Die Hintergründe blieben zunächst unklar. Ersten Berichten zufolge ereignete sich die Explosion in einem Lager für Feuerwerkskörper. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, am Hafen sei in einem Lagerhaus in der Nähe mehrerer Getreidespeicher Feuer ausgebrochen. „Starke Explosionen” seien in Beirut und den Vororten zu spüren gewesen. Einsatzkräfte der Feuerwehr kämpften gegen die Flammen. Der Hafen liegt nur wenige Kilometer von der Innenstadt Beiruts entfernt.

Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gab es zunächst nicht. Wenige Kilometer vom Ort der Explosion entfernt waren 2005 der damalige libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri und 21 weitere Menschen bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden. Die Residenz seines Sohnes, der frühere Ministerpräsident Saad Hariri, wurde bei der Explosion am Dienstag beschädigt.

An diesem Freitag will das UN-Libanon-Sondertribunal in Den Haag sein Urteil gegen vier Angeklagte in dem Fall von 2005 verkünden. Viele Libanesen machen die Führung des Nachbarlandes Syrien für den Anschlag auf Hariri verantwortlich. Er hatte vor seinem Tod den Abzug der damals im Libanon stationierten syrischen Truppen verlangt.

„Wir haben keine Informationen darüber, was genau passiert ist und was der Auslöser war, ob es ein Unfall oder ein herbeigeführter Akt war”, sagte ein UN-Sprecher kurz nach der Tat am Dienstag in New York. „Zu diesem Zeitpunkt sind unsere Gedanken bei den Menschen im Libanon. Was auch immer passiert ist: Wir hoffen, dass der Schaden begrenzt ist und dass die Sicherheit des libanesischen Volkes garantiert ist.”

© dpa-infocom, dpa:200804-99-41931/3

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