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Spanien schließt weitere Ebola-Infektionen nicht aus

Spanien schließt weitere Ebola-Infektionen nicht aus
Spanien schließt weitere Ebola-Infektionen nicht aus
Victor Lerena

Die Infektion einer Pflegehelferin mit dem Ebola-Virus überrascht die Mediziner in Spanien. Niemand weiß genau, wie es dazu kam. Nun wird eiligst daran gearbeitet, eine weitere Ausbreitung der gefährlichen Krankheit zu verhindern.

Nach der ersten Ebola-Infektion innerhalb Europas schließen die spanischen Gesundheitsbehörden weitere Fälle nicht aus. Neben einer erkrankten Madrider Pflegehelferin wurden vorsorglich drei weitere Menschen in die Quarantäne-Station eines Madrider Krankenhauses eingewiesen. Weitere rund 50 Personen aus dem Umfeld der Frau werden medizinisch überwacht.

Bei den drei weiteren Personen in Quarantäne handele es sich um den Ehemann und eine Kollegin der Pflegehelferin sowie um einen Spanier, der von einer Nigeria-Reise zurückgekehrt sei, teilte die Klinikverwaltung am Dienstag mit. Bei ihnen sei bislang keine Ebola-Infektion festgestellt worden.

Die Pflegehelferin ist der erste Mensch, der sich innerhalb Europas mit dem gefährlichen Virus infiziert hat. Bislang hatten Experten dies angesichts der Sicherheitsvorehrungen in Ländern wie Spanien oder auch Deutschland stets als äußerst unwahrscheinlich eingeschätzt.

«Die Wahrscheinlichkeit weiterer Infektionen ist gering, aber sie existiert», sagte Fernando Simón, Chef der Notfallzentrale des Gesundheitsministeriums, dem Radiosender Cadena Ser.

Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, die Ruhe zu bewahren. Sie erstellten eine Liste mit insgesamt mehr als 50 Menschen, die mit der an Ebola erkrankten Frau Kontakt hatten. Gesundheitsministerin Ana Mato rief die Direktoren der regionalen Gesundheitsämter zu einer Krisensitzung zusammen.

Die Pflegehelferin hatte sich das Virus in Madrid bei der Behandlung des Geistlichen Manuel García Viejo zugezogen, der sich in Sierra Leona mit Ebola infiziert hatte. Der Geistliche war mit einem Flugzeug der spanischen Luftwaffe ausgeflogen worden und am 25. September gestorben.

Wie es genau zu der Infektion kam, war zunächst nicht bekannt. Die Frau habe versichert, sich stets an die Quarantäne-Vorschriften gehalten zu haben, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Die Spanierin wurde in der Nacht zum Dienstag in die Quarantäne-Station einer Fachklinik in Madrid verlegt. Sie hatte nach Angaben der Behörden bereits seit einer Woche leichtes Fieber gehabt. Die Mediziner hatten dem aber zunächst keine Bedeutung beigemessen. Am Montag wurde ihre Ebola-Infektion bei einer Untersuchung in einem Krankenhaus in der Madrider Vorstadt Alcorcón bestätigt.

«Eine Ausbreitung von Krankheiten wie Ebola kann nur verhindert werden, wenn Verdachtsfälle isoliert werden», sagte José Ramón Arribas, Chef der Station für Infektionskrankheiten der Madrider Carlos-III-Klinik. Dort wurde neben der Pflegehelferin auch deren Ehemann in der Quarantäne-Station behandelt.

Etwa 200 Beschäftigte des Universitätskrankenhauses La Paz, dem die Carlos-III-Klinik angeschlossen ist, forderten den Rücktritt der Ministerin. Sie meinten, Spanien hätte keine Ebola-Kranken aus Westafrika nach Madrid einfliegen dürfen, weil das Land auf die Behandlung der Krankheit nicht vorbereitet sei.

Die mit Ebola infizierte Frau erhält nach Angaben der Ärzte das Blutserum eines Spenders, der Ebola überwunden und Antikörper entwickelt hatte. Beim Ehemann seien keine Ebola-Symptome festgestellt worden, teilte die Klinik mit. Er gelte jedoch wegen des regelmäßigen Kontakts zu der Infizierten als besonders gefährdet.

Die anderen Personen, die mit der Pflegehelferin in Verbindung standen, werden medizinisch überwacht. Dabei handelt es sich um die 30 Ärzte und Pfleger, die mit der Frau zusammengearbeitet hatten, und 22 Menschen aus dem persönlichen Umfeld sowie aus der Klinik in Alcorcón, wo die Infektion am Montag festgestellt worden war.