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Starker Euro und schwache Fracht bremsen Lufthansa

Der starke Euro und das überraschend schwache Frachtgeschäft haben die Lufthansa im Sommer auf ihrem Sparkurs gebremst. Das Konzernergebnis von Europas größter Fluggesellschaft lag nach neun Monaten mit 247 Millionen Euro nur noch bei etwas mehr als einem Drittel des Vorjahreswerts (697 Mio).

Dies berichtete das Unternehmen in Frankfurt. Für das wichtige dritte Quartal verzeichnete die Lufthansa bei einem nahezu konstanten Umsatz von 8,3 Milliarden Euro einen Gewinneinbruch um 30 Prozent auf 451 Millionen Euro.

Zwischen Juli und September machte dem Konzern der starke Euro zu schaffen. Vor allem für japanische Kunden wurden Lufthansa-Tickets immer teurer. In der Folge fielen die Durchschnittserlöse auf dem ohnehin hartumkämpften asiatischen Markt um fast 10 Prozent. «Gegenwind kann jederzeit aufkommen», sagte Finanzchefin Simone Menne, die auf der anderen Seite sinkende Spritpreise verbuchen kann.

Die Frachtsparte lieferte für den Sommer überraschend rote Zahlen ab. Das operative Segmentergebnis von Lufthansa Cargo lag nach neun Monaten mehr als ein Drittel unter dem Vorjahresniveau, die geplante Gewinnsteigerung musste gestrichen werden. Für das Schlussquartal rechnet der Vorstand aber wieder mit mehr Geschäft und will die Frachtkapazität um sechs Prozent ausweiten. Der traditionelle Jahresschluss-Spurt starte nach aktueller Auftragslage eher als 2012.

Beim Sparen sieht sich das Unternehmen weiter auf Kurs. Vor allem dank des Einsatzes der günstigeren Tochter Germanwings sei der Europa-Verkehr erstmals seit fünf Jahren wieder in den schwarzen Zahlen, hieß es. Die Tochter Austrian Airlines werde in diesem Jahr auch ohne Sondereffekte profitabel fliegen, kündigte Lufthansa-Chef Christoph Franz an. Die Kerngesellschaft Lufthansa Passage und die bereits sanierte Tochter Swiss flogen steigende Gewinne ein. Insgesamt verbessere das Sparprogramm «Score» das Ergebnis in diesem Jahr um die geplanten 740 Millionen Euro.

Obwohl die IT-Tochter Lufthansa Systems ihr Ergebnis nach neun Monaten deutlich um mehr als 30 Prozent auf 17 Millionen Euro steigern konnte, hält das Management an seinem Plan fest, einen großen Teil der Tochter auszulagern und dafür einen IT-Partner zu suchen. Rund 1300 Mitarbeiter - etwa jeder dritte Beschäftigte - sollen in das neue Unternehmen übergehen. Einen konkreten Verhandlungspartner gebe es aber noch nicht, sagte Menne.

Mit ihrem anspruchsvollen Sparprogramm und dem Konzernumbau sieht sich die Lufthansa zahlreichen Sondereinflüssen ausgesetzt, die den Sparerfolg zunächst verdeckten. Bereinigt um Restrukturierungskosten und Einmaleffekte habe man das operative Ergebnis in den ersten neun Monaten um 47 Prozent auf 859 Millionen Euro gesteigert, erklärte Franz. Für das Gesamtjahr rechne man bereinigt mit 900 Millionen bis einer Milliarde Euro an operativem Gewinn, bestätigte er die Ankündigungen aus der Vorwoche. Die Börse reagierte aber erneut mit Kursverlusten auf die nun detaillierteren Lufthansa-Zahlen.