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Stromkunden müssen mehr zahlen: Rekordwert für Öko-Umlage

Die Bürger müssen im kommenden Jahr für ihren Strom noch tiefer in die Tasche greifen. Die Ökostrom-Umlage als Bestandteil des Strompreises wird für 2014 auf einen Rekordwert von 6,307 Cent je Kilowattstunde festgelegt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Kreisen, die mit der Berechnung befasst sind.

Damit muss ein Durchschnittshaushalt 2014 netto etwa 36 Euro mehr für die Förderung von Wind- und Solarenergie zahlen. Hinzu kommen aber noch die automatisch mitsteigende Mehrwertsteuer und höhere Netzentgelte.

Bisher sind 5,277 Cent Ökostrom-Umlage über den Strompreis zu zahlen. Offiziell wird die Umlage für 2014 am 15. Oktober von den vier Übertragungsnetzbetreibern bekanntgegeben - sie wickeln sämtliche Vergütungen für Biogasanlagen, Wind- und Solarparks ab.

Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox muss ein Mehr-Personen-Haushalt mit einen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden kommendes Jahr im Schnitt 1050 Euro für Strom zahlen und damit etwa 70 Euro mehr als bisher. Demnach schlagen neben 36 Euro mehr an Ökostrom-Umlage und elf Euro mehr an Mehrwertsteuer auch höhere Netzentgelte mit 23 Euro zusätzlich zu Buche, teilte ein Sprecher mit. Insgesamt gehe man von einer Preissteigerung um 7 Prozent aus.

Inzwischen sind rund 65 000 Megawatt an Solar- und Windleistung in Deutschland installiert. Zum Vergleich: An Atomleistung sind es noch 12 696 Megawatt - aber die AKW können rund um die Uhr Strom erzeugen. Je nach Leistung braucht man 2000 Windkraftanlagen, um die Leistung eines größeren deutschen Atomkraftwerks zu ersetzen. Insgesamt beträgt der Ökostromanteil in Deutschland schon rund 25 Prozent. Führend ist mit über 40 Prozent Anteil weiterhin die Kohlekraft.

Die Differenz zwischen dem für den Strom erzielten Preis und dem auf 20 Jahre garantierten Vergütungssatz zahlen die Verbraucher per Umlage. Ursprünglich war ein noch stärkerer Anstieg erwartet worden - aber im September gab es überraschend wenig Wind- und Solarstrom. Eine Sprecherin des scheidenden Wirtschaftsministers Philipp Rösler (FDP) mahnte eine «rasche und grundlegende Reform» des Fördersystems für Erneuerbare Energien an. «Denn Hauptkostentreiber sind nicht die Ausnahmen für energieintensive Unternehmen.»

Diese machten nur einen Bruchteil der Umlage aus und sicherten Arbeitsplätze. «Ursache des Preisanstiegs ist vielmehr die jetzige planwirtschaftliche Ausgestaltung des Fördersystems», sagte sie. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn kritisierte hingegen, dass «die Regierung immer mehr Industriesubventionen auf die Stromverbraucher abwälzt». Unter Schwarz-Gelb waren sie stark ausgeweitet worden - inzwischen prüft auch die EU-Kommission, ob das rechtens ist.

In diesem Jahr sind aber weder die Industrierabatte noch der Bau neuer Wind- oder Solaranlagen vorrangig für den Umlageanstieg verantwortlich. Nach Branchenschätzungen liegt rund die Hälfte des Anstiegs im Einbruch der Börsenstrompreise begründet: Gibt es für den Ökostrom aber im Verkauf immer weniger Geld, wächst automatisch die Differenz zu den auf 20 Jahre festgelegten festen Vergütungssätzen. Und damit steigt automatisch die Umlage. Die geringeren Kosten im Stromeinkauf werden wiederum von Versorgern oft nur unzureichend an die Bürger weitergegeben, bemängeln Verbraucherschützer.

Der Grünen-Energiepolitiker Oliver Krischer kritisierte: «In der vierjährigen Regierungszeit von Schwarz-Gelb hat sich die Umlage auf nun 6,3 Cent je Kilowattstunde fast verfünffacht.» Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband sagte: «Das ganze Getöse um eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verdeckt, dass der Strompreis im Moment gar nicht sinken kann.» Schließlich müssten die bisher zugesagten und auf 20 Jahre garantierten Vergütungen für alle laufenden Anlagen weiterbezahlt werden. 2013 beträgt der über die Umlage gewährte Betrag 20,3 Milliarden Euro.