FORMEL 1

Superlativ-Superstar: Weltmeister Hamilton auf Rekordjagd

Lewis Hamilton kann ja auch nichts dafür. Der Brite erdrückt die Formel 1 regelrecht, weil die Konkurrenz nicht mithalten kann. Hamilton verbessert sich seit Jahren, der Rest scheint zu stagnieren.
dpa
Erfolgsduo
Lewis Hamilton (r) und Toto Wolff feierten mit Mercedes schon etliche Siege. Foto: David Davies/PA Wire

Die Folge: Hamilton steuert an diesem Sonntag beim Großen Preis seinem 80. Grand-Prix-Sieg entgegen – nur noch elf weniger als Michael Schumachers lange für unerreichbar gehaltener Rekord. Hamilton ist auf dem Weg zu seinem sechsten WM-Titel, dann fehlt nur noch einer, um mit Schumachers sieben Titeln gleichzuziehen.

„Eines Tage wird er seine Karriere beenden mit mehreren Rekorden, und die Leute werden sagen: Er war der beste Pilot auf diesem Planeten, und wir waren Zeugen seiner Reise”, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff jüngst in Le Castellet und sprach auch von Hamiltons interessanter Persönlichkeit bei allem, was der 34-Jährige so macht und unternimmt. Wolff bemängelte aber das Bild, das von Hamilton auch gern gezeichnet wird, weil es „die bessere Schlagzeile” bringt.

Hamilton steht seit seinem Einstieg in die Formel 1 im Fokus. Rund zwölf Jahre ist das nun schon her. Er war der erste dunkelhäutige Pilot in der Geschichte der Motorsport-Königsklasse. Eine Vita wie gemacht fürs große PS-Kino. Der Vater nimmt einen Zweitjob an, um den Junior zu fördern. Hamilton verpasst im Debütjahr nach einem denkwürdigen Stallkrieg den WM-Titel, im zweiten Jahr ist der erste Triumph perfekt.

Es folgen Aufs und Abs, die damalige Beziehung zu Popstar Nicole Scherzinger setzt Hamilton zu. Er lebt seinen Trennungsschmerz aus, selbst an Rennwochenenden. Die ganz großen Erfolge bleiben erst mal aus. Dann der Wechsel von McLaren zu Mercedes. Eine Befreiung.

Die Enge im kontrollierten McLaren-Rennstall ließ Hamilton nicht zur Entfaltung kommen, Wolff erkannte schnell, wie er mit dem exzentrisch-emotionalen Hamilton umgehen muss. „Wir haben einen unglaublichen Boss”, lobte Hamilton den österreichischen Teamchef der Silberpfeile. „Wir verdanken Toto sehr viel: Die Art, wie er das Team führt, wie er mit uns Fahrern umgeht und uns erlaubt zu fahren.”

58 Siege feierte Hamilton im Mercedes seit seinem Wechsel als Nachfolger von Michael Schumacher zur Saison 2013. In den sechs Jahren zuvor bei McLaren waren es 21 Grand-Prix-Erfolge. Die Niederlage im Silberpfeil-Duell 2016 mit seinem damaligen deutschen Teamkollegen Nico Rosberg setzte Hamilton zu, er arbeitete noch konsequenter an seinen Schwächen – und wurde noch stärker.

„Lewis ist am besten, wenn man ihm den Freiraum gibt, seinen Leidenschaften zu folgen”, erklärt Wolff. Er hat es schon oft so oder ähnlich gesagt. Er muss es immer wieder, weil Hamiltons Lebensweg für manche nicht so ist, wie man es sich gemeinhin vorstellt.

Hamilton düst mit seinem Privatjet auch zwischen seinen vielen Formel-1-Reisen um die Welt, ist Modedesigner, mit Hollywoodstars per Du, mit anderen Sportikonen befreundet. Während sein Dauer-Herausforderer Sebastian Vettel von Ferrari in der Abgeschiedenheit seiner Schweizer Wahlheimat auf einem ehemaligen Bauernhof das Leben mit Frau und zwei Kindern genießt, reicht Hamilton der PS-Stress nicht.

„Lewis braucht die Zeit zwischen den Rennen, um sich vom Rennfahren abzulenken. Er bittet um diesen Freiraum auf die respektvollste Weise”, sagte Wolff: „Wir haben schon vor einigen Jahren entschieden, dass wir verstehen müssen, wie jeder einzelne von unserem Schlüsselpersonal am besten funktioniert.”

Dass Hamilton meist vorneweg fährt, kann ihm niemand vorwerfen. Die Konkurrenz, allen voran Ferrari und Red Bull, die finanziell nicht schlechter gestellt sein dürften als Mercedes, müssen einfach besser werden.

Immerhin gab Hamilton seinen Fans jüngst einen Rat, wie man mit sich, der Welt und ihren Herausforderungen klarkommen kann. „Es ist in Ordnung, unsicher zu sein, das geht uns allen mal so. Es ist in Ordnung, nicht auf alles Antworten zu haben”, schrieb Hamilton bei Instagram: „Ich möchte nur, dass Du dir selbst sagst: Ich bin schön, so wie ich bin, ich bin unermesslich stark, und ich kann alles schaffen, was ich mir vornehme.”

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