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Tausende Flüchtlinge frieren in ihren Zelten

Tausende Flüchtlinge frieren in ihren Zelten
Tausende Flüchtlinge frieren in ihren Zelten
Henrik Josef Boerger

Die herbstliche Kälte macht den in Zelten campierenden Flüchtlingen in Hamburg zu schaffen. Im Großteil der Zelte gebe es noch keine Heizungen, bestätigten mehrere Bewohner einer Erstaufnahmeeinrichtung im Stadtteil Bahrenfeld.

Nun würden aber verstärkt Heizungen eingebaut. Alle Zelte verfügten bereits über Holzböden. Rund 100 Flüchtlinge hatten am Dienstag vor dem Hamburger Rathaus gegen ihre Unterbringung in unbeheizten Zelten protestiert. «Uns ist kalt», hieß es auf einem Transparent.

In der Hansestadt müssen derzeit rund 3000 Flüchtlinge in nicht beheizbaren Unterkünften schlafen. Auch in anderen Bundesländern sind Flüchtlinge teils in nicht winterfesten Unterkünften untergebracht.

«In Deutschland frieren mindestens 42 000 Flüchtlinge in Zelten», erklärte die Linken-Vorsitzende Katja Kipping in Berlin. Statt sich um die winterfeste Unterbringung der Menschen zu kümmern, «konzentriert sich die Bundesregierung mit Transitzonen und der Verschärfung des Asylrechts weiterhin vor allem auf abschreckende Maßnahmen», kritisierte sie.

In Hamburg fehle auch warme Kleidung für junge Männer, sagte eine Sprecherin der von Ehrenamtlichen organisierten Kleiderkammer in einer Messehalle. Für Frauen und Kinder gebe es genug warme Sachen. Mangelware seien auch Decken, Schlafsäcke, Isomatten und Thermosflaschen.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) rechnet nicht mehr damit, dass alle Flüchtlinge während des Winters in festen Unterkünften unterkommen. Jeder wisse, dass es wie überall in Deutschland auch in Hamburg Zelte geben werde, sagte Scholz in der Hamburgischen Bürgerschaft in einer Regierungserklärung. Er hoffe jedoch, dass diese zumindest sämtlich winterfest seien. «Unser oberstes Ziel ist derzeit die Vermeidung von Obdachlosigkeit», betonte Scholz.