BEACHVOLLEYBALL

Thole/Wickler verpassen WM-Sensation

Clemens Wickler war nach der ersten Enttäuschung einfach nur „unfassbar stolz”, Julius Thole will in vielen Jahren noch seinen Kindern „davon erzählen”.
dpa
Beach-Volleyball-WM
Für Clemens Wickler (l) und Julius Thole hat sich der Traum nicht erfüllt. Foto: Christian Charisius
Hamburg.

Aus dem Zwangs-Duo sind im Eiltempo Vize-Weltmeister geworden – die ganz große Sensation haben Thole und Wickler bei der WM in ihrem Hamburger Wohnzimmer verpasst. Das Beachvolleyball-Duo verlor das Endspiel gegen die Russen Wjatscheslaw Krasilnikow und Oleg Stojanowski nach einem gewonnenen ersten Satz mit 1:2 (21:19, 17:21, 11:15).

Dennoch bleibt die Heim-WM für den 22-jährigen Thole und den zwei Jahre älteren Wickler knapp zwei Jahre nach ihrer unfreiwilligen sportlichen Hochzeit eine Erfolgsgeschichte. Silber war die insgesamt siebte WM-Medaille für Deutschlands Sandvolleyballer. „So eine WM gab es noch nie. Wir sind stolz, einen Teil beigetragen zu haben, Beachvolleyball noch größer zu machen”, sagte Abwehrspieler Wickler.

Die beiden neuen Hoffnungen waren nach der Final-Niederlage gegen die starken Russen, die erstmals die WM-Krone in ihr Heimatland holten, nur kurz niedergeschlagen. Die 12.000 Zuschauer feierten ihre Helden nochmals mit lauten Sprechchöre. „Was ihr in den letzten zehn Tagen für uns und die anderen deutschen Teams veranstaltet habt, war der Wahnsinn”, sagte Wickler am Mikrofon auf dem Center Court zu den Fans: „Ohne euch wären wir nicht so weit gekommen.” Morgen könne er sich dann auch „über Silber freuen”.

In den zehn WM-Tagen haben sich Thole/Wickler nicht nur als neue Elitespieler entpuppt, sondern auch zu absoluten Fan-Lieblingen entwickelt. Die beiden jungen Männer – Thole studiert nebenbei Jura, Wickler BWL – zeigten Frische, Intelligenz, Erfolgshunger und lieben ihre Sportart. „Da ist völlige Ekstase im Spiel”, bemerkte 2,06-Meter-Mann Thole nach dem 2:1-Sieg im Halbfinale gegen die Topfavoriten und späteren WM-Dritten Anders Mol und Christian Sorum aus Norwegen. 45.000 Dollar Prämie dürfen die Deutschen mitnehmen.

Eigentlich war das Projekt Thole/Wickler auf Olympia 2024 ausgerichtet, verriet Sportdirektor Niclas Hildebrand. Doch das Hamburger Beach-Duo überraschte mit seiner Entwicklung sogar den eigenen Verband. „Sie sind schon jetzt das neue Aushängeschild”, erklärte Hildebrand. „Mit welcher Konsequenz sie spielen, ist beeindruckend. Trotzdem sind sie auf dem Feld auch emotional.”

Nach Wicklers nationalem Meistertitel 2017 mit Tim Holler hatte ihn der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) überraschend mit Talent Thole zwangsvereint. Eine weise Entscheidung, wie die fünfte WM-Medaille für die Männer-Abteilung beweist. Der gebürtige Hamburger Thole und der Starnberger Wickler wollen nun die Olympia-Qualifikation meistern und dann das Projekt Tokio 2020 angehen. 1440 Punkte für die Weltrangliste als WM-Zweiter sind dafür eine hervorragende Basis.

„Ihre Stabilität ist beeindruckend”, sagte Julius Brink, der vor zehn Jahre mit Jonas Reckermann in Stavanger den bisher einzigen WM-Titel für Deutschlands Männer auf Sand geholt hatte. „Sie sind ja immer noch brutal jung”, ergänzte der Olympiasieger von London 2012. Im Finale wirkten die beiden nicht so locker und zugleich entschlossen wie zuvor. Von Brink und Reckermann hätten sie „viel gelernt”, sagte Thole. Zum Beispiel ihre Einstellung: „Wir wollen nur Weltklasse.”

Dass sie so schnell dahin gelangt sind, ist ein Resultat der neuen Verbandsstrategie. Seit 2017 trainieren die Top-Männerteams am zentralen Stützpunkt in Hamburg, was am Anfang nicht unumstritten war. Befreit vor allem von der finanziellen Last, die aufwendigen Welttour-Einsätze allein zu finanzieren, wird das Duo von viele Spezialisten unterstützt: Bundes-, Taktik- und Balltrainer, Sportpsychologin, Physiotherapeuten, Ärzte, Scouts und Manager.

Zuletzt kam mit Olympiasieger-Macher Jürgen Wagner ein ausgewiesener Experte für den gesamten athletischen Bereich dazu, der seine Schützlinge wie Brink/Reckermann sowie die Olympiasiegerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst (2016) immer auf den Punkt fit bekam.

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