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Tröglitz: Nach rechtsextremem Protest brennt Flüchtlingsheim

Tröglitz: Nach rechtsextremem Protest brennt Flüchtlingsheim
Tröglitz: Nach rechtsextremem Protest brennt Flüchtlingsheim
Hendrik Schmidt

In Tröglitz ist nach wochenlangen Protesten Rechtsextremer gegen die Aufnahme von Asylbewerbern in dem geplanten Flüchtlingsheim ein Feuer ausgebrochen.

Der Staatsschutz ermittle; es sei nicht auszuschließen, dass es sich um eine politisch motivierte Brandstiftung handele, sagte ein Sprecher der Polizei am Samstag. Das Feuer sei gegen zwei Uhr morgens ausgebrochen. Vor allem das zum Wohnbereich ausgebaute Dachgeschoss sei ausgebrannt.

Der kleine Ort im Süden Sachsen-Anhalts ist bundesweit in den Schlagzeilen, seit der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth Anfang März wegen rechtsextremer Anfeindungen seinen Rücktritt erklärte. Er hatte keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als eine asylfeindliche Demonstration direkt vor seinem Haus genehmigt wurde. Der Protest gegen die geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen wird von der rechtsextremen Partei NPD angeführt.

Nierth zeigte sich am Samstagmorgen entsetzt über das Feuer. «Davon wird Tröglitz sich wohl nie erholen», sagte er dem «Tagesspiegel». «Ich bin fassungslos, traurig und wütend zugleich. Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten.» Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und sein Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) kündigten für 13.00 Uhr eine Pressekonferenz in Halle mit der Staatsanwaltschaft an.

In dem Haus, in das die Flüchtlinge einziehen sollten, hätten zuletzt zwei Menschen gelebt, hieß es bei der Polizei. Wer sie sind, ist noch unklar. Eine Nachbarin habe beide rechtzeitig gewarnt, sie konnten sich unverletzt ins Freie retten.

Die Brandursache sei derzeit unklar, betonte der Polizeisprecher. «Wir prüfen zurzeit, inwieweit das Dachgeschoss, das am meisten vom Brand betroffen ist, begehbar ist.» Man erhoffe sich neue Erkenntnisse, wenn Ermittler und Kriminaltechniker dort arbeiten könnten. Derzeit überwache die Feuerwehr noch den Brandort, Anwohner kämen vorbei und schauten - es sei aber ruhig, hieß es.

Erst am Dienstagabend hatte Landrat Götz Ulrich (CDU) auf einer Einwohnerversammlung in Tröglitz über die Pläne zur Asylbewerberunterkunft informiert. Gut 500 Menschen hatten sich im örtlichen Kulturzentrum eingefunden, unter ihnen auch Nierth. Ulrich musste Dutzende Fragen beantworten - und räumte auch Fehler ein. «Ich schließe nicht aus, dass ich und einige andere Verantwortliche im Vorfeld nicht ausreichend den Bewohnern zugehört haben», sagte der CDU-Politiker. Er habe aus dem Fall Tröglitz gelernt.