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Triumphator Lesser holt Gold in der Verfolgung

20 Treffer ins große Glück: Erik Lesser hat bei der Biathlon-WM in Kontiolahti souverän die Verfolgung gewonnen und der deutschen Mannschaft die ersehnte erste Medaille beschert.

Dank einer tadellosen Schießleistung feierte der 26-Jährige den bisher größten Erfolg seiner Karriere und sorgte für den ersten WM-Titel seit elf Jahren in diesem spektakulären Rennen. «Das ist einfach phänomenal, einfach geil», sagte der Frankenhainer nach seinem ersten Einzelsieg überhaupt mit Tränen in den Augen.

Nachdem der letzte seiner 20 Schuss ins Schwarze getroffen hatte, riss Bundestrainer Mark Kirchner mit einem Jubelschrei die Arme in die Höhe und Co-Trainer Andi Stitzl peitschte seinen Schützling mit bayrischen Jubelschreiben die letzten Berge hoch. «Ich freue mich riesig für Erik. Er hat sich heute vorne angestellt und ich hoffe, dass jetzt auch die Diskussionen um die Aufstellung der Mixed-Staffel und das Ergebnis im Sprint aufhören. Im Biathlon sind es halt Millimeter, die entscheiden können», sagte Kirchner, der im Ziel seinen Schützling euphorisch in den Arm nahm und innig umarmte.

Lesser legte seinen Grundstein am Schießstand, wo er als einziger der 60 Starter fehlerfrei blieb. Er setzte sich mit einem Vorsprung von 17 Sekunden vor dem Russen Anton Schipulin (1 Fehler) und Tarjei Bø aus Norwegen (1/+ 18,7 Sekunden) durch. Auf dem Siegerpodest war Lesser zwischen seinen Konkurrenten zwar der Kleinste - an diesem für ihn sensationellen Tag aber der Größte. «Ich habe vom ersten Meter an gemerkt, dass heute was geht. Die Latten waren phänomenal und ich hatte auch das Glück am Schießstand, was mir gestern ein bisschen gefehlt hat», erzählte Lesser.

Vor allem die Schlussrunde, wo er alleine auf das Ziel zulief und sich keinen Kampf mit einem Kontrahenten mehr liefern musste, genoss er in vollen Zügen: «Es ist einfach geil, wenn die Techniker und Trainer an die Strecke kommen, dich anfeuern und ein Lächeln im Gesicht haben.»

Damit feierte Lesser seinen bisher größten Einzelerfolg, nachdem er im vergangenen Jahr in Sotschi bei den Olympischen Spielen Silber im Einzel und in der Staffel gewonnen hatte. Letztmals holte in dieser Disziplin Ricco Groß 2004 WM-Gold. Bei der bislang letzten WM in Kontiolahti 1999 hatte es einen deutschen Dreifach-Triumph durch Ricco Groß, Frank Luck und Sven Fischer gegeben.

Nach Platz fünf im Sprint, wo er durch den tückischen Wind an der «Bärenbucht» Bronze nur um fünf Sekunden verpasst hatte, hatte Lesser diesmal Glück. Mit stoischer Ruhe arbeitete er sich konsequent nach vorne, während seine Kontrahenten reihenweise patzten.

Dass ausgerechnet Lesser zum großen Schlag ausholt, war so nicht unbedingt zu erwarten. Denn nach einem guten Saisonauftakt waren die Ergebnisse eher durchwachsen, Lesser fuhr nach eigener Aussage ohne jegliche Erwartung nach Nordkarelien. Eine Einzelmedaille war für ihn selbst nicht realistisch. «Ich habe mich an ein Interview des Fußballers Steven Gerrard erinnert, der sagte: «Gib alles oder enttäusch alle.»

Arnd Peiffer verbesserte sich von Rang 30 auf Position 14 (3 Fehler/+ 1:32,4 Minuten). WM-Debütant Benedikt Doll kam als 28. ins Ziel (7/+ 2:30,2). Simon Schempp will nach Platz 77 im Sprint und der verpassten Verfolgung im Einzel am Donnerstag, der Männer-Staffel am Samstag und vor allem im Massenstart am Abschluss-Sonntag sein Debakel verarbeiten. «Zum Glück haben wir noch ein paar Wettkämpfe», sagte er.